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Modetechnisch gewinnen wir an diesem Montag keinen Preis. Unser kreatives Zwiebelsystem ist aber genau das Richtige gegen die starken und kalten Böen. Doch dank des Windes werden die Wolken immer wieder weitergeschoben und die Sonne sorgt für etwas Wärme.

Über unser heutiges Ziel, der Naturpark «Els Ports», gibt’s kaum Informationen. So tauchen wir einfach mal ein in das wenig besuchte Gebiet. Die Wanderwege und die für uns relevanten Radrouten sind erstaunlich gut beschildert.

Bald stehen wir oberhalb der mächtigen Schlucht «El Salt» und in der Ferne leuchtet das Dorf «Horta de Sant Joan» im Sonnenlicht.

Die Strecke ist sehr abwechslungsreich und kupiert. Wir durchfahren dichte Wälder und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Um uns herum erheben sich eindrückliche Felsen um deren Gipfel Adler kreisen.

Mitten in der Natur gibt es tatsächlich auch einen Campingplatz mit einer bescheidenen, aber funktionierenden Infrastruktur (inkl. fliessendem Wasser). Allerdings sind keine Camper vor Ort.

Die Fahrbahn wird enger und steiler. Plötzlich weist ein Wegweiser zu einem stillgelegten Marmorsteinbruch. Wir fragen uns, wie die Felsbrocken wohl aus dem engen Tal gefugt wurden. Dann überqueren wir zu Fuss einen der wenigen Bäche, die Wasser führen. Ein schmaler Pfad führt zu einer kleinen Höhle, die Picasso gewidmet ist.

Dann kurven wir noch ein paar Kehren in die Höhe und geniessen die absolute Stille und die tolle Kulisse.

Auf dem Heimweg durchqueren wir einmal mehr ein Blütenmeer. Vorbei an Mandel- und uralten Olivenbäumen gelangen wir nach Arnes.

Die Gemeinde liegt im Grenzgebiet der Provinzen Tarragona und Aragonien auf rund 500 m.ü.M.

Nebst einem herrlichen Panoramablick auf die imposanten Berge des Nationalparks fallen hier das 1584 erbaute Rathaus (katalanische Renaissance) und die barocke Pfarrkirche auf. Dann ist es nicht mehr weit bis zu unserem «akrumobile». Zufrieden blicken wir auf eine 34 km lange und sehr eindrückliche Tour zurück.

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Wir verlassen das Gebiet «Terra Alta» um unsere Reise entlang der Küste fortzusetzen. Die Fahrt führt einmal mehr durch eine reizvolle Berglandschaft bis an die «Costa Daurada».

Während Andy den Dieseltank auffüllt, kaufe ich Lebensmittel ein. So sind wir für die nächsten Tage wieder gerüstet.

Unweit von Cambrils installieren wir uns für eine Nacht am dem Camping «Joan». Von hier aus ist es nur ein Katzensprung an die sehr gepflegte Strandpromenade. Wir geniessen einen gemütlichen Spaziergang bei angenehmen äusseren Bedingungen.

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Einen grossen Teil der heutigen Strecke fahren wir auf der N-340. Auf dieser mautfreien Strasse sind wir schon einige Kilometer gecruist. An einigen Stellen ist sie in die AP7 bzw. A7 integriert worden. Sie ist über 1'200 km lang, beginnt in Chiclana de Frontera bei Càdiz und endet südlich von Barcelona. Und genau hier liegt auch unser nächstes Ziel.

Der Camping «Tres Estrellas» liegt wiederum direkt am Meer in Gavà. Eigentlich hatten wir einen andern Platz im Norden ins Auge gefasst. Doch zum Glück haben wir noch rechtzeitig festgestellt, dass dieser erst ab 1. März offen ist. So werden wir uns ins in den nächsten Tagen mit etwas Abfluglärm des nahen Flughafens abfinden müssen.

Natürlich sind wir auch hier wieder schnell am Beach anzutreffen, wenn auch heute die Temperaturen etwas tiefer sind. Toll ist es allemal!

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Der Tag beginnt mit einem fantastischen Sonnenaufgang über dem Meer.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf und erreichen mit dem öffentlichen Bus die «Plaça de Catalunya» im Zentrum von Barcelona. Nicht dass wir etwa Heimweh hätten, doch das «Cafe Zurich» bietet sich bestens an, um einen zweiten feinen Koffeinschub zu trinken.

Wir schlendern wie viele andere Touristen auf der bekannten Strasse «La Rambla». Am heutigen Valentinstag haben die hier ansässigen Blumenhändler natürlich Hochsaison. In den Markthallen «Mercat de la Boqueria» decken wir uns mit frischen weissen Pfefferkörner und leckeren schwarzen Oliven ein.

Dann nehmen wir den Aufstieg auf den «Montjuic» unter die Füsse. Dabei queren wir die «Jardins de Walter Benjamin». Hier treffen wir auf jene, die kein Zuhause haben und mit ihrem wenigen Hab und Gut in der Gartenanlage hausen. Einige räkeln sich mit den ersten Sonnenstrahlen aus ihren improvisierten Schlafstätten.

Über teils steile Wege und Treppen erreichen wir den 173 Meter hohe Hausberg von Barcelona. Immer wieder öffnen sich herrliche Blicke auf den Hafen mit den Kreuzfahrtschiffen und die Stadt.

In den weitläufigen Parkanlagen geniessen Schulklassen, Einheimische und Gäste aus aller Welt das schöne Wetter und die verschiedenen Sehenswürdigkeiten wie z. B. ein grosser Brunnen und das Kastell.

Für den Abstieg wählen wir den Weg über die Nordseite des Hügels und kommen so bei der «Fundacío Joan Miró» vorbei.

Durch einen weiteren Park gelangen wir zum imposanten Bau des «Museu Nacional d’Art de Catalunya». Von hier aus haben wir dann eine tolle Sicht auf die «Quatre Columnes» und die «Plaça d’Espanya» mit der Stierkampfarena, die heute ein Einkaufszentrum ist.

Irgendwie sind wir an die Adresse eines Tapas-Lokals gelangt. Also steuern wir das Lokal im Bezirk «les Corts» an. Wir finden das Restaurant und sind nicht die einzigen, die den Tipp bekommen haben. Die Warteschlange ist uns definitiv zu lang, zumal es zwei Häuser weiter ein weiteres sympathisches Gasthaus gibt. Auch im «MABI» ist es pumpenvoll, doch wir haben Glück und bekommen einen kleinen Zweiertisch. Zur Feier des Tages bestellen wir uns «el menu del dia». Das beinhaltet Paella mit Meeresfrüchten bzw. einen gemischten Salat zur Vorspeise, gebratenes Poulet mit Kartoffeln bzw. Fisch mit Kartoffeln zum Hauptgang und eine feine «Crema catalana» als süssen Abschluss. Dazu gibt’s eine Flasche Rotwein und wir bezahlen EUR 11.00 pro Person. Da sagen wir nur Danke und «en Guetä».

Beim der «Plaça d’Espanya» steigen wir dann wieder in den Bus und können ohne Umsteigen bis zum Camping fahren.

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Pünktlich verlässt der Zug den unterirdischen Bahnhof bei der «Plaça d’Espanya». Wir reisen in ca. einer Stunde mit der Bahnlinie «R5» nach Monistrol de Montserrat. Mit der «Cremallera de Montserrat», einer Zahnradbahn, gelangen wir schliesslich zum Kloster Montserrat auf 721 m.ü.M.

Als erstes besuchen wir einen imposanten Innenhof und die Klosterkirche. Pilger und Gläubige verehren hier die «Schwarze Madonna Unserer Lieben Frau von Montserrat».

Dann wollen wir noch höher hinaus. Mit einer «Garaventa-Doppelmayer»-Standseilbahn erreichen wir den Punkt «Sant Joan». Nun sind wir bereits auf 971 Höhenmeter und die Rundsicht wird immer besser.

Wir befinden uns in den Gebirgszügen der «Serralada Prelitoral Catalana». Die Sandsteingipfel sind bis 1'200 m.ü.M. hoch und in den markanten Felsen erkennen wir unzählige Figuren und Gesichter.

Am fernen Horizont erheben sich die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen.

An den steilen Flanken befinden sich weitere Eremitagen und wir wandern auf teils fordernden Pfaden bis auf über 1'000 m.ü.M. Das sonnige Wetter beschert uns tolle Ausblicke und viel Kraft. Ein herrlicher Tag in den katalanischen Bergen.

Auf der Rückfahrt sitzen viele asiatische Gäste im Zug. Manche schlafen gleich nach der Abfahrt ein, was uns an die Touristen auf der Rigi erinnert.

Bei der «Plaça d’Espanya» sind wir dann wieder im Gewusel der Grossstadt. Im Feierabendverkehr kommen wir mit dem Bus dennoch erstaunlich schnell wieder zurück zum Camping.

Den schönen Tag schliessen wir mit einem Teller Spaghetti und einem Glas Rotwein ab.

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Am dritten Tag in Barcelona verabreden wir uns mit unserem kanadischen Freund Michael. Er lebt und arbeitet seit über zwei Jahren in der spanischen Metropole.

Nach einem Kaffee geht’s auf eine gemütliche Zickzack-Tour mit unserem persönlichen Guide. Im ältesten Stadtviertel «Barri Gòtic» bewundern wir u.a. die gotische Kathedrale, die «Casa de l’Ardiaca» (ein Palais mit Stilelementen der Gotik, Renaissance und Jugendstil) und die vielen engen Gassen mit interessanten Geschäften.

Zur Weltausstellung von 1888 wurde nebst vielen anderen Denkmälern auch der «Arc de Triomf» (Triumphbogen aus rötlichen Ziegelsteinen) erstellt. Auch aus dieser Zeit stammt ein grosszügiger Park mit einem Teich, Wasserspielen und vielen Bäumen.

Ebenfalls im Bezirk «Ciutat Vella» (Altstadt) liegt der Bahnhof «Estació de França» mit einer eindrücklichen Eingangshalle.

Unter der mächtigen Konstruktion einer ehemaligen Markthalle können wir beim «El Born Centre Cultural» römische Ruinen bestaunen.

Natürlich darf auch das Kulinarische nicht fehlen. Unweit des «Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA)» setzen wir uns auf die Sonnenterrasse eines Restaurants und geniessen lokale Leckerbissen.

Dank Michael haben wir spannende Ecken der Stadt kennengelernt und uns bestens amüsiert. Beim der «Plaça de Catalunya» verabschieden wir uns wieder von ihm.

Dann wollen wir mit dem Bus wieder zurück zum Camping fahren. Doch daraus wird nichts. Die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter haben zu einer Grossdemonstration aufgerufen und die Anhänger kommen in Scharen. Sie reisen mit Cars aus der ganzen Region an. Innert Kürze sind alle Strassen blockiert und wir finden uns mitten im Trubel wieder. Mit grosser Mühe schaffen wir es in eine Nebenstrasse. Wir wollen zu Fuss weitergehen und hoffen, dass dann irgendwo ein Bus oder eine Metro fahren wird. Doch der Plan geht nicht auf.

Kurzerhand stoppen wir ein Taxi um nach Hause zu kommen. Doch auch hier ist Geduld gefragt. Der Fahrer ist indischer Abstammung und hat sein Handwerk wohl in Mumbai gelernt. Das kommt ihm in dieser hektischen Situation sicher zu gut. Irgendwann gelingt es ihm dann mit viel Hupen und Fluchen aus dem Schlamassel herauszukommen. Wir kommen müde, aber wohl erhalten auf dem Platz an. Was für ein Tag!

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Sonntag ist wieder Reisetag. Wir verlassen den nicht überzeugenden Camping und fahren an die «Costa Brava».

Nach über 170 km und einer kurzen Pause erreichen wir Roses.

Der Platz «Joncar Mar» ist wieder sehr gut belegt und wir reihen uns auf den eher knapp bemessen Parzellen ein.

Danach ist Lesen, Blog schreiben und Brot backen angesagt; ein geruhsamer Sonntag nach aufregenden Tagen in Barcelona.

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In Roses (span. Rosas) leben ungefähr 30’000 Einwohner. In den Sommermonaten kommen dann noch ca. 100'000 Touristen dazu, die in den diversen Hotels und Appartements wohnen. Nebst dem Fremdenverkehr sind der Fischerei- und der Sporthafen ein wichtiges Standbein der Ortschaft. Etwas ausserhalb wurde eine der grössten Marina in Europa erstellt. Entlang eines Kanalsystems reihen sich protzige Villen mit eigenen Anlegestellen für die Yachten.

Zu Fuss flanieren wir entlang der Strandpromenade bis zur «Ciutadella de Roses» und dann weiter bis zum «Castell de la Trinitat» sowie dem Leuchtturm von Roses.

Beide Festungen sind derzeit geschlossen und so geht’s zurück ins Städtchen, dass zu dieser Jahreszeit recht verschlafen wirkt.

Der Nordwind «Tramunata» bläst hier häufig, dies auch wegen der Nähe zu den Pyrenäen. Doch an sonnigen, windgeschützten Ecken lässt es sich bestens aushalten.

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Das seit 1983 bestehende Naturschutzgebiet «Aiguamolls de l’Empordà» befindet sich unweit von Roses im Einzugsgebiet der Flussmündungen von «Fluvià» und «La Muga». Das ungefähr 4'800 ha grosse Feuchtgebiet ist bekannt für seine ornithologische Vielfalt. Hier rasten Zugvögel auf ihren Flugrouten zwischen Europa und Afrika.

Das bedeutende Reservat ist in verschiedene Zonen eingeteilt. Einige davon sind den Tieren vorbehalten, andere dürfen per pedes oder per Velo besucht werden. Auf gewissen Flächen wir Landwirtschaft betrieben und auch einige Bausünden sind unverkennbar. Wir radeln über trockene Ebenen, Viehweiden, seichte Sümpfe und an verschiedene Wasserstellen.

Bei einem ersten Beobachtungsposten ist es ruhig, alle scheinen ausgeflogen zu sein. Beim nächsten Observationsturm haben wir mehr Glück. Hier versammeln sich Grosse Reiher, Flamencos, Graureiher, Lila Reiher, Viehreiher, verschiedenste Enten, Blesshühner und viele Störche. Einige von ihnen haben bereits ihre unübersehbaren Nester bezogen.

Zwei Rehe grasen auf den Wiesen am Wasser und mehrere Schildkröten blicken uns keck an.

Wir sind die ganze Zeit für uns und können so die geschäftige, jedoch friedliche Szenerie ungestört geniessen.

Nach 26 km kehren wir hungrig und zufrieden zurück. Wiederum ein unvergesslicher Tag in der Natur.

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Wer unser Blog regelmässig liest, weiss, dass wir gerne Kaps erkunden. Von Roses aus haben wir die Möglichkeit ans «Cap de Creus» zu radeln. Dafür nehmen wir eine Tour von total 52 km auf einer stark kupierten und sehr kurvigen Strasse unter die Räder. Damit knacken wir auch die 3'000 km-Marke mit unseren Velos!

Von Meereshöhe geht’s über einen Pass auf rund 280 m.ü.M. Danach führen unzählige Kehren wieder hinunter nach «Cadaqués» an einer malerischen Meeresbucht. Das einst sehr abgeschiedene Fischerdorf ist gepflegt und auf einem Hügel thront die gotische Kirche «Santa Maria».

Nach einer Kaffeepause direkt am Wasser steigen wir wieder auf die Bikes und steuern nun das Cap an. Wir sind einmal mehr von der atemberaubenden Landschaft und der Weite begeistert. Die Ausläufer der Pyrenäen reichen hier bis ins Mittelmeer und wir stossen auf teils bizarreFelsformationen aus Pegmatit, Migmatit und Schiefer. Am eindrücklichsten ist das «Kamel»; das Tier liegt stolz oberhalb der Küste. Kein Wunder inspirierten sich rund um «Cadaqués» Künstler wie Salvador Dalí, André Breton, Max Ernst oder Jo Micovich.

An der Spitze des Kaps steht ein Leuchtturm aus dem Jahr 1853. Sein Feuer leuchtet 34 Seemeilen weit und warnt die Schiffe vor der zerklüfteten Küste.

Auf dem kargen Boden wächst eine grosse Vielfalt an typischen Küstenpflanzen und auch einige endemische Arten gedeihen an sonnigen Flanken. Zwischen verschiedenen Grüntönen buhlen kleine, farbige Blüten um die Gunst der ersten Bienen.

Im Schutz der Felsen stossen wir auf Wacholder (katalanisch cádes); es wird angenommen, dass sich der Ortsname «Cadaqués» davon ableitet.

Mit unvergesslichen Eindrücken und tollen Fotos verlassen wir den Naturpark auf der Halbinsel und cruisen auf derselben Strecke zurück.

 

Unsere Route vom 11. - 20. Februar 2019

Distanz Arnes - Roses: 417 km (total 23'366 km)

Mit dem Bike unterwegs: 114 km (total 3'005 km)

 

 

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