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Dank einer sorgfältigen Routenplanung mit Wolfgangs Hilfe fahren wir ohne Stau ins südliche Sauerland. Am Biggesee (Stausee) richten wir uns für zwei Nächte auf dem Camping «Seeblick» ein und freuen uns über das sonnige, wenn auch nicht ganz so warme Wetter.

Anfangs Mai zeigt sich das Wetter launisch. In der Nacht geht ein teils heftiger Schauer nieder, der bis am nächsten Morgen anhält. Irgendwann setzt sich dann die Sonne langsam durch, versteckt sich aber immer wieder hinter grossen Wolken.

Wir nutzen den Tag zum Waschen der Bettwäsche und Andy bringt das Womo zum Glänzen. Am Nachmittag machen wir einen ausgedehnten Spaziergang durch den nahen Wald. Unterwegs treffen wir auf keinen einzigen Menschen. Im vielfältigen Mischwald grünt es in verschiedensten Tönen und unzählige Vögel zwitschern um die Wette.

Rund um den Biggensee gibt’s mehrere Campingplätze, die vor allem von Dauermietern genutzt werden. Auf unserer Tour kommen wir auch durch Quartiere mit schmucken (Ferien-)Häuser.

Danach geniessen wir unser Zuhause mit Lesen, Schreiben, Essen und Trinken.

 

Über Nacht ist tatsächlich nochmals der Winter zurückgekehrt. Nur ein paar Höhenmeter über dem Camping tragen die Tannen ein feines, weisses Kleid. Die Strassen trocknen zum Glück schnell ab und so steht unserer Weiterfahrt nichts im Wege.

Weitgehend über Autobahnen fahren wir ins Ruhrgebiet im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im Schermbeck begrüssen uns Anne und Kurt und wir dürfen unser «akrumobile» direkt vor ihrem hübschen Haus parken. Die beiden haben wir letztes Jahr auch in Klaipėda kennengelernt und den Kontakt gehalten.

Wir verbringen ein spannendes, lehrreiches und sehr gemütliches Wochenende und erfahren wiederum viel Grosszügigkeit und Gastfreundschaft.

 

Am Sonntag besuchen wir gemeinsam die «ZOOM Erlebniswelt» in Gelsenkirchen. Der Zoo ist in die Themenbereiche Asien, Afrika und Alaska gegliedert und beherbergt entsprechende Tiere. Wir amüsieren uns prächtig und trotzen den kurzen, aber heftigen Schauern.

Auf dem Rückweg zeigen sie uns noch ihr tolles neues Wohnmobil. Die Abende werden lang und wir tauschen uns über das Camperleben, Reiseerlebnisse und künftige Pläne aus.

 

Nach einem feudalen Frühstück heisst es wieder Abschied nehmen und Tschüss sagen. Wir haben uns für Donnerstag, 9. Mai 2019 die Fährüberfahrt nach England gebucht. So reisen wir nun in Etappen an den Ärmelkanal.

Nach einem Einkauf- und Tankstopp fahren wir durch Holland ins belgische Maasmechelen. Auf dem riesigen Camping Kikmolen ist es noch recht leer und ruhig.

 

Am Dienstag bewältigen wir eine lange Strecke von ca. 270 km bis nach Boiry-Notre-Dame im Département Pas-les-Calais. Wir müssen einen Umweg fahren, da ein Stück der Autobahn um die französische Grenze geschlossen ist. Aus den Nachrichten erfahren wir, dass die Polizei eine Grosskontrolle durchführt und wohl deshalb die Strasse sperrte.

Doch das ist nicht die einzige Hürde, die wir heute zu bewältigen haben. Der Routenbeschrieb führt uns kurz vor dem Ziel noch über einen dreckigen Feldweg mit tiefen Wasserlöcher. Entsprechend übel schaut unser Womo aus! So müssen wir nach dem Einchecken auf dem Camping «La Paille Haute» noch ins Nachbardorf fahren um das Fahrzeug zu reinigen...

Auf dem Camping sind wir richtig von Campern und Wohnwagen mit niederländischen Kontrollschildern «umzingelt». Doch es hat für alle genügend Platz und nach einer ruhigen Nacht gehören wir zu den Ersten, die weiterziehen.

 

Das Wetter zeigt sich zuerst von der nassen Seite. Doch je näher wir unserem heutigen Übernachtungsort kommen, desto mehr hellt es auf. Noch vor dem Mittag können wir uns auf dem «Flower Camping Le Rompval» bei Mers-les-Bains am Ärmelkanal installieren.

Am heutigen 8. Mai sind die Läden wegen eines Feiertags geschlossen und so kneten wir noch den Brotteig, bevor wir uns zu einem ausgedehnten Spaziergang an die Küste aufmachen.

Die Sonne hat sich vollständig durchgesetzt und ein starker Wind bläst uns um die Ohren. Wir freuen uns riesig wieder am Meer zu sein und geniessen die Wanderung oberhalb der hohen, weissen Kreidefelsen. Es sind kaum Leute unterwegs; dafür kreisen Möwen über unseren Köpfen und ein Fuchs überquert ein Feld und kehrt dann eilig in den nahen Wald zurück.

 

Mit Vogelgezwitscher werden wir rechtzeitig aus den Federn geholt. Und das ist gut so, denn heute geht’s auf nach England.

Für die Überfahrt haben wir die Strecke Dieppe – Newhaven gewählt. Die Schlagzeilen rund um Calais sind zwar etwas verstummt, doch wir wollen unnötige Komplikationen vermeiden.

Im Hafen von Dieppe können wir uns gleich in die Warteschlange stellen. Unser on-line-Ticket ist bereits auf dem Bildschirm, als wir uns am Check-in melden. Danach folgt noch eine gründliche Einreisekontrolle. Dabei überprüft ein Zöllner auch das Innere des Womos. Uns kann es nur recht sein, denn wir wollen keinen blinden Passagier transportieren.

Die vierstündige Fährfahrt wird für die Schreiberin eine kleine Herausforderung. Der Wellengang lässt das Schiff schaukeln und den Magen entsprechend grummeln.

Doch so weiss wie die imposanten Kreidefelsen an der südenglischen Küste, werde ich zum Glück nicht. Andy geniesst die Fahrt, auch wenn es aufgrund des grauen Wetters nicht allzu viel zu sehen gibt.

In Newhaven (East Sussex) werden dann wir und das Fahrzeug nochmals genau kontrolliert. Alles bestens, wir dürfen auf die Insel einreisen!

Doch die nächste Herausforderung folgt so gleich: Linksverkehr! Geschickt schleust Andy unser «akrumobile» in den dichten Verkehr ein. Besonders in den Kreiseln ist Vorsicht geboten bzw. das Vieraugenprinzip gefragt. Zum Glück haben wir einen Camping mit kurzer Anfahrt ausgesucht.

Nach rund einer halben Stunde erreichen wir den «Washington Caravanning & Camping Park» in Pulborough und melden uns für eine Nacht an. Dankbar und glücklich stossen wir auf die gelungene Anreise und die geplante Tour an!

 

Die erste Nacht auf englischem Boden war ruhig. Wegen der Zeitumstellung (MEZ – 1h) geht die Sonne allerdings nun schon kurz nach fünf Uhr auf und damit beginnen auch die Rufe der verschiedenen Vögel. Während wir frühstücken, beobachten wir wie vor dem Womo eine Starenmutter ihren Jungvogel füttert.

Mit guten Tipps und den besten Wünschen des Campingverwalters machen wir uns auf den Weg. Da wir Südengland bereits im Mai 2014 besucht haben, reisen wir nun nordwärts. Das Verkehrsaufkommen verstärkt sich, je mehr wir uns dem Grossraum von London nähern. Ein Unfall verursacht auf der M25 einen kurzen Stau, doch bald läuft es wieder flüssig.

Unweit von St. Albans beziehen wir noch GBP-Bargeld und kaufen Lebensmittel ein.

Der Empfang auf dem «Henlow Bridge Lakes Camping & Caravan Resort” in Arlesey ist sehr freundlich und wir bekommen eine gutgelegene Parzelle und viele Informationen.

Das Wetter hält sich gut und wir drehen zu Fuss eine Runde im nahen Park. Hier tummeln sich Gänse, Enten, Kormorane und Reiher. Am Ufer des Teichs sitzen Fischer und hoffen auf einen erfolgreichen Fang.

Wir kommen beim einem schicken Hotel vorbei und auf einer Weide mümmeln unzählige Kaninchen. So stellt man sich eine idyllische Landschaft vor.

 

Nach zwei Nächten westlich des Nullgradmeridians überqueren wir nun wieder diesen Längengrad. Wir haben den Camping «Moon and Sixpence» östlich von Ipswich ins Auge gefasst. Doch der Preis ist uns zu hoch. Die Angestellte ist jedoch sehr freundlich und gibt uns Tipps für preiswertere Übernachtungen. Bei der «Low Farm» erklärt man uns, dass der Platz nur für Mitglieder offen sei. Beim dritten Anlauf klappt es dann; auf dem «Steadings Park» in der Nähe von Newbourne werden wir willkommen geheissen und auch der Preis stimmt einigermassen.

Zu Fuss erkunden wir die nähere Umgebung, besuchen die Kirche von Newbourne und lassen uns in einem malerischen Pub ein einheimisches Bier schmecken.

 

Bereits am Morgen scheint die Sonne von einem stahlblauen Himmel. Die besten Voraussetzungen also für ein gemütliches Frühstück im Freien. Dann schwingen wir uns auf die Velos und wagen uns auch auf zwei Rädern in den Linksverkehr.

Bei den sogenannten «Single Track Roads» ist die Fahrbahn breit genug für ein Fahrzeug. Zum Kreuzen und Überholen stehen jeweils «Passing Places» zur Verfügung. Wir haben die Warnwesten an unsere Rucksäcke montiert und hoffen so, für die Autofahrer gut sichtbar zu sein.

Wir fahren durch eine liebliche Landschaft nach Hemley, wo auch wieder eine hübsche Kirche steht. Die Strasse zum Fluss Deben endet bei einer kleinen Siedlung und ein Einheimischer empfiehlt uns, nicht den Uferweg zu befahren. Die Strecke soll sehr nass sein.

So geht’s über Wald- und Wiesenwege nach Waldringfield. Hier könne wir bis ans Flussufer gelangen.

Nächster Halt ist am Hafen von Woodbridge. Hier steht eine bereits 1170 urkundlich erwähnte Gezeitenmühle. Derzeit herrscht Ebbe und das Mühlrad steht still.

Vorbei an stattlichen Anwesen mit teils prächtigen Garten- und Parkanlagen radeln wir zurück nach Newbourne. Und weil es so sympathisch ist, setzen wir uns nochmals in den schönen Garten des lokalen Pubs.

Den sonnigen Nachmittag geniessen wir auf dem Campingplatz mit Grillieren und der Planung der Weiterreise.

 

Unsere Route vom 1. - 12. Mai 2019

Köln - Newbourne: 1'224 km

Mit dem Bike unterwegs: 62 km

 

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