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Obwohl die reale Existenz von Robin Hood historisch nicht belegt ist, wollen wir heute Donnerstag nochmals auf seinen Spuren wandeln. Der Sage nach soll sich Robins Hauptquartier im «Sherwood Forest» bei Edwinstowe nördlich von Nottingham befunden haben.

Bei herrlichem Wetter wandern wir durch den kaum begangenen Wald. Hier stehen uralte Eichen; die mächtigste ist die «Major Oak». Der Baum soll zwischen 800 und 1'000 Jahre alt sein. Seine Äste müssen mit Gerüsten abgestützt werden.

Wir geniessen die Stille und die Kraft, die der grüne Forst ausstrahlt. Gestärkt setzen wir unsere Reise fort. Unterwegs füllen wir den Tank mit Diesel und den Kühlschrank mit Leckereien.

Während der Fahrt überqueren wir mehrmals den «Trent», den drittlängsten Fluss von Grossbritannien. Bei der Ortschaft Dunham on Trent führt eine kurze Brücke über das Gewässer und für die Überfahrt wird eine Gebühr erhoben. So weit so gut. Zum Glück herrscht wenig Verkehr, denn jedes Fahrzeug muss bei einem Kassenhäuschen anhalten und den Obolus von £ 0.40 bzw. £ 0.60 (=CHF 0.76 für unser Womo) bezahlen. Der freundliche Kassier staunt etwas, als die Beifahrerin ihm den Betrag bezahlt. Dann herrscht wieder freie Fahrt.

Die «The Limes Campsite» liegt idyllisch in der Nähe der Ortschaft Spilsby in Lincolnshire (East Midlands). Nach etwas suchen finden wir James, den Eigentümer des Platzes. Er begrüsst uns freundlich und denkt uns mit unzähligen Informationen ein. James scheint ein richtiges Arbeitstier zu sein und es gibt auch noch vieles zu tun auf dem Camping. Während wir auf den letzten Plätzen von einer Top-Infrastruktur profitierten, ist hier alles – na sagen wir mal sehr bescheiden. No worries!

Leider hilft alles Daumendrücken nichts und wir müssen mit ansehen, wie die Schweizer Eishockeymannschaft gegen Kanada ausscheidet, schade!

 

In unmittelbarer Nachbarschaft nesten Krähen und ihr Lärm kündet früh den neuen Tag an. Doch das sonnige Wetter macht das Aufstehen leicht. James hat uns gestern viele Ausflugstipps geben. Und so starten wir heute mit den Fahrräder Richtung Küste.

Eigentlich konnten wir uns bis anhin gut auf die Routenplanung bei «Pocket Earth» verlassen. Doch heute führt uns der App in eine Sackgasse. Die Strasse endet vor einem unüberwindbaren Tor. Schnell ist eine neue Route gefunden, wenn auch etwas abenteuerlich ...

Das «Croftmarch» ist ein Naturschutzgebiet hinter den Dünen im «Lincolnshire Wildlife Trust». Hier beobachten wir aus einem entsprechenden Posten unzählige Wasservögel.

Ebenfalls zum Schutzgebiet gehört das Küstengebiet mit dem Namen «Gibraltar Point». Vorort gibt es ein Informationszentrum und ein sehr schönes Restaurant. Auf der Terrasse lassen wir uns einen feinen Kaffee schmecken.

Beim Start zu einem Strandspaziergang werden wir von einem Vertreter des «Wildlife Trust» begrüsst und freundlich eingeladen, uns an ihn zu wenden, falls wir Fragen hätten. Bei einem Aussichtspunkt treffen wir auf ein Ehepaar, dass wir bereits im Restaurant gesehen haben. Wir kommen mit den beiden Briten aus Kent ins Gespräch und stellen einmal mehr fest, dass wir hier in Grossbritannien mehrheitlich auf sehr sympathische und zuvorkommende Menschen stossen. Das bestätigt sich auch auf der Strasse, wo man/frau sich mit Rücksicht und Vorsicht begegnet.

Wir geniessen die Zeit am Strand und radeln dann wieder nach Hause. Insgesamt legen wir 45 km zurück. Auf dem Camping begrüsst uns James und interessiert sich für unsere Erlebnisse.

Am Montag, 27. Mai ist hier Feiertag (Late May Bank Holiday / Spring Bank Holiday) und langsam, aber sicher treffen immer mehr Urlauber ein. Doch wir bleiben die einzigen «Ausländer» auf dem Platz.

 

Um es vorweg zu nehmen: wir lieben Tiere! Bei den Tauben müssen wir allerdings eine kleine Einschränkung machen, denn das äussert monotone und anhaltende Gurren bereits vor fünf Uhr morgens ist ziemlich nervig... Doch das frühsommerliche Wetter mit angenehmen Temperaturen macht alles wett.

Zum Frühstück gibt’s heute mal wieder Rührei mit Schinken und Pilzen. Lecker!

Mit den e-Bikes geht’s auf wenig befahrenen Strassen über eine weite Ebene mit Feldern, Kuh- und Schafweiden sowie Pferdekoppeln. Nach 20 km erreichen wir wieder die Nordseeküste, diesmal bei Chapel St. Leonards.

Der Badeort ist etwas weniger kommerziell und touristisch als Skegness, verfügt aber auch über einen kilometerlangen Sandstrand. Hier tummeln sich heute Samstag viele Einheimische.

Entlang der Promenade stehen kleine, private Badehäuschen. Einige wenige sind schön renoviert, während andere vor sich hin darben und auf einen frischen Anstrich warten.

Beim «Chapel Point» befindet sich neben einem Restaurant auch die «Sea Watch Station». An der Küste sehen wir in der Ferne die «Jubilee Odyssey», die angeblich grösste «Inverted-Stahlachterbahn» in der Art weltweit und draussen im Meer sorgt ein Offshore-Windpark für den nötigen Strom.

Da für den Nachmittag mehr Wolken angesagt sind, kurven wir wieder rechtzeitig zurück und können so noch vor dem Womo gemütlich relaxen.

Was das Wetter in den kommenden Tage bringt, ist noch etwas unsicher. Wir nehmen es vorzu.

 

Wie von den entsprechenden Apps vorhergesagt, zeigt sich das Wetter am Sonntag recht launisch. Wind, Regen und trockene Phasen wechseln sich ab, bevor dann am frühen Abend noch die Sonne scheint.

Der Tag ist wie gemacht um «interne Arbeiten» zu erledigen. Dazu gehören Schreibarbeiten am PC, Fotos sortieren und die nächsten Etappen zu planen, aber auch mal wieder die Vorratskästen neu einzuräumen und einen Zopf zu backen.

So ein «Faulenzertag» tut zwischen durch auch mal gut.

 

Ob der nationale Feiertag «Bank Holiday» ideal ist zum Reisen, wissen vor dem Start nicht. Doch die erste Etappe verläuft problemlos. Beim Studieren der Karte sind wir per Zufall auf die Ortsbezeichnung «Ruckland» gestossen. Das wollen wir uns natürlich genauer anschauen.

Der Weiler liegt mitten in hügeligem Weide- und Kulturland. Ein eigentliches Dorf gibt es nicht, doch der kurze Abstecher hat sich allemal gelohnt.

Es ist tatsächlich einiges los auf den Strassen. Nur bei einer Baustelle kommt es zu einem kleinen Rückstau. Auch bei der «Humber Bridge» in der Nähe von Hulle müssen wir nur kurz warten, um den Brückenzoll von £ 1.50 zu entrichten. Die Hängebrücke hat eine Spannweite von 1'410 Meter und führt über den Fluss Humber.

Südlich von York richten wir uns für drei Nächte auf der «Moor End Farm» ein. Der «Farmer» hat unsere Reservation bestätigt und weist uns einen Platz zu. Die Waschmaschine und der Tumbler sind frei und so können wir gleich noch unsere Bettlaken waschen.

Das Wetter zeigt sich von der windigen Seite, doch bis am Abend bleibt es trocken.

 

In der Nacht sind die angesagten Schauer niedergegangen. Als wir zu Fuss zur Bushaltestelle aufbrechen hangen zwar noch Restwolken am Himmel, doch es ist trocken. Wir warten eine ganze Weile beim Bus Stopp, bis ein Einwohner auf uns zu kommt und meint, dass die Haltestelle ausser Betrieb sei. Der Bus fahre im ¾-Meilen entfernten Copmanthorpe.

Also wandern wir in die Ortschaft und versichern uns, dass wir von hier per öV nach York kommen. Das klappt dann bestens und wir tauchen in die quirlige Stadt ein. Noch bevor ein nächster Regen niedergeht, setzen wir uns in ein Café und studieren das Geschehen draussen; besser als jedes Schauspiel oder Fernsehprogramm!

In den Strassen und Gassen sind extrem viele Leute unterwegs. Manchmal ist kaum ein Durchkommen. Auch rund um das «York Minster» herrscht einiges Treiben. Das Münster gilt als grösste mittelalterliche Kirche in England. Besonders beeindruckend sind die Grösse sowie die riesigen Kirchenfenster des gotischen Bauwerks.

Wesentlicher ruhiger ist es im wunderschönen «Treasurer’s House Garden». In der pflegten Anlage blüht es in den verschiedensten Farben.

Bei der kürzesten Strasse von York «Whip-Ma-Whop-Ma-Gate» und rund um den «Newgate Market» geht’s wieder geschäftig, ja fast hektisch zu und her.

Als nächstes bestaunen wir die «Merchant Adventurers’ Hall» und die Überreste des «York Castle». Dann überqueren wir den Fluss «Ouse» und schlendern entlang dem «Micklegate».

Das «Micklegate Bar» ist eines der vielen Stadttore. Hier steigen wir dann auch noch auf die «City Walls», die alte Stadtmauer. Von hier oben öffnen sich nochmals ganz andere Perspektiven. Das «Micklegate Social» ist ein cooles Ecklokal mit spannenden Gästen und einem feinen hausgebrauten Bier.

Für die Rückfahrt wählen wir die Route über Bishopthorpe. In York erlebten eben noch einen Wolkenbruch und beim Aussteigen scheint wieder die Sonne. So schnell kann das hier gehen.

Nun wandern wir noch auf einem öffentlichen Fussweg übers Land nach Hause. Das war einmal mehr ein interessanter und sehr vielfältiger Tag!

 

Am Morgen Sonne, ab Mittag Wolken und am Abend Regen, so ungefähr lauten die Wetterprognosen für heute Dienstag. Also starten wir rechtzeitig zum unserem Radausflug. Nach rund zwei Kilometer auf Nebenstrassen kommen wir auf die «Route 65» des «National Cycle Network» (auch ein Teil des «Trans Pennine Trail east»).

Auf dem gut beschilderten Weg erreichen die am Fluss Ouse gelegene Kleinstadt Selby. Der Ort unterhält seit 2002 eine Städtepartnerschaft mit dem schwäbischen Filderstadt (D).

Bis 2004 wurde in der Gegend Steinkohle abgebaut. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Geblieben ist allerdings das Kraftwerk Drax. Die für die Stromerzeugung nötige Kohle wird nun u.a. von Australien, Südafrika, Russland und Polen importiert. Für die sogenannte Biomassenzufeuerung werden Holzpellets aus Kanada verwendet...!

Mitten in Selby liegt die mittelalterliche Abtei. Die «Selby Abbey» wurde von Benedict von Auxerre gegründet. Da das Gebäude auf sandigem Boden steht, stürzten immer wieder Teile ein. Doch laufende Renovationen halten die grosse Kirche in Schuss.

Auffallend sind die riesigen, farbigen Fenster mit unzähligen Darstellungen.

Im sogenannten «Washington-Fester» ist das Wappen der Familie des ersten amerikanischen Präsidenten, Georg Washington, zusehen. Die Abbildung soll sogar als Vorlage für die US-Flagge gedient haben.

Auch hier werden wir von einer sehr freundlichen Dame angesprochen, die gerne unsere Frage beantwortet und sich über den Besuch aus der Schweiz freut. Sie weiss auch zu berichten, dass seit der Hochzeit (2015) vom taiwanischen Musiker Jay Chou und seiner Frau Hannah die Selby Abbey vermehrt von asiatischen Touristen besucht wird.

Nach einem kurzen Abstecher in die wenig berauschende Fussgänger- und Einkaufszone radeln wir wieder gemütlich zurück. Auf dem Platz kehren wir die ersten Vorbereitungen für die Weiterreise vor und unterhalten uns mit einem andern Camper.

 

Nach dem Ausflug nach York geht’s wieder an die Küste. Vorher kaufen wir noch in einem gigantischen «Superstore» ein. Der Laden hat von Montag bis Samstag tatsächlich 24 Stunden geöffnet und auch am Sonntag kann man von 10.00 bis 16.00 Uhr einkaufen.

Hier ist der Auffahrtsdonnerstag kein Feiertag (dafür der vergangene Montag). Dennoch kommt es auf der «A64» zu einem kurzen Rückstau, doch nur deshalb, weil sich zwei Spuren auf eine «line» verengen. Wir zeigen uns also etwas solidarisch mit den Staugeplagten am Gotthard ...

Wie die letzten Nächte verbringen wir auch die kommenden drei auf einer Farm. Die «Wold Farm» liegt gleich oberhalb der Klippen bei Flamborough und ist gut belegt. Doch wir bekommen den reservierten Platz mit Strom.

Bald schon stehen wir an den steilen «Bempton Cliffs».

Und dann entdecken wir sie ... die herzallerliebsten Papageientaucher. Die putzigen Wasservögel gucken keck von ihren aussichtsreichen Felsen.

Rund eine halbe Million Seevögel soll in diesem zerklüfteten Küstengebiet hausen und derzeit brüten.

Mit dem Fernglas lässt sich die laut kreischende Vogelschar bestens beobachten. Nebst den «Puffin» entdecken wir Möwen, Basstölpel und Lummen. Wir freuen uns riesig, weil mit deren Sichtung ein grosser Wunsch in Erfüllung geht.

Mit vielen Eindrücken und Fotos kehren wir zufrieden heim.

 

Die Landzunge «Flamborough Head» wollen wir per Velo erkunden. Einen ersten Halt machen wir beim «The Famous Chalk Tower». Er wurde 1674 als Leuchtturm aus weissem Kalkstein erbaut. Heute steht das Wahrzeichen am Rande des Golfplatzes.

Der aktuelle Leuchtturm steht etwas weiter vorne am Kap.

 

Von hier steigen wir ein paar Stufen hinunter ans Meer. Noch sind wenig Leute unterwegs und wir geniessen die imposanten Felsformationen. Dank Ebbe können wir Stellen betreten, die ansonsten überflutet sind. Da haben wir mal wieder was ganz Besonderes entdeckt ...

Wieder zurück auf den Klippen leisten wir uns einen Kaffee und freuen uns über die schöne Aussicht und das gute Wetter.

Auf dem Klippenweg sind mittlerweile schon einige Wanderer unterwegs. Auch hier niesten unzählige Vögel in den Steilwänden. Ihre Nester sind fast überhängend oder verbergen sich in den Felsspalten.

Der «North Landing Beach» ist einer der wenigen Strände an der sonst felsigen Küste.

Die Fischer fahren ihre Boote in die geschützte Bucht und um diese dann mit einem Traktor an Land zu ziehen. Wir nutzen nochmals die Möglichkeit die wunderbare Küste zu bestaunen und viel frische Luft zu tanken.

Dann ist es nicht mehr weit zurück zum Camping. Einmal mehr ist uns eine gelungene Kombination zwischen Radeln und Wandern in einer herrlichen Gegend beschert worden!

 

Unsere Route vom 23. - 31. Mai 2019

Nottingham - Flamborough: 408 km

Mit dem Bike unterwegs: 142 km

 

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