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Schon sehr früh am Montagmorgen lärmt es vom nahen Hafengelände. So sind wir auch heute bei Zeiten auf und besuchen als erstes eben diesen Hafen. Hier treffen wir nun auf die Frachter, die den Fang zu früher Stunde abgeliefert haben.

Allerdings haben es nicht immer alle Schiffe in den sicheren Hafen geschafft. Weit draussen entdecken wir ein Wrack ...

Natürlich darf auch hier ein Leuchtfeuer nicht fehlen. Auf dem Gelände des «Kinnaird Head Lighthouse Old» steht neben dem alten Leuchtturm ebenfalls ein neueres Exemplar.

Wir setzen unsere Velotour nun fort mit einer gemütlichen Fahrt über Land. Der beschilderte Radweg ist recht gut unterhalten und führt durch Farmland. Links und rechts werden wir von Schafen, Kühen und Pferden beäugt. In einem Waldstück blicken wir in die Augen eines wenig scheuen Rehs.

Nach ca. 14 km erreichen wir «Loch of Strathbeg». Die weit verzweigte See- und Sumpflandschaft ist die Heimat von unzähligen Vögel sowie halb wilden Pferden. Wir schlendern durch einen naturbelassenen Garten und wandern anschliessend durch das sogenannte «wetland».

Von Holzhäuschen aus beobachten wir u.a. Schwäne mit ihren Jungen, Graureiher, Fasane, Krähen und unzählige «Flussseeschwalbe» mit ihrem Nachwuchs.

Das vom «rspb» (The Royal Society for the Protection of Birds) unterhaltene Informationszentrum bietet nebst vielen Informationen auch eine tolle Sicht auf allerlei gefiederte Freunde: Buntspecht, Sperlinge, Stieglitz/Distelfink, Grünfink etc. Dass die Vögel mit einer «Futterbar» bei Laune gehalten werden, macht die Beobachtung etwas einfacher.

Geplant ist, die Rückfahrt über eine andere Strecke zurückzulegen. Doch ein gut verschlossenes Gatter macht uns einen Strich durch die Rechnung (und das auf der offiziellen Route). Also heisst es «bitte wenden».

Damit wir uns ein vitaminreiches Znacht zubereiten können, kaufen wir noch frisches Gemüse ein und kehren dann auf unseren aussichtsreichen Campingplatz zurück.

 

Da denken wir, der frühe Vogel fängt den Wurm ... doch, wenn es ums Einkaufen geht, klappt das heute nicht ganz. Gemäss schottischem Gesetz dürfen alkoholische Getränke erst ab 10:00 Uhr verkauft werden. Also stellen wir den Wein und den Whisky wieder ins Gestell zurück.

Je nördlicher wir kommen, desto weniger Verkehr ist auf der Strasse. Das ist nicht unangenehm, denn die Fahrbahnen sind teilweise recht eng. Definitiv zu schmal (und steil) ist der Weg ins Zentrum von Pennan. Deshalb parken wir das Womo in einer Nische oben an der Hauptstrasse und steigen zu Fuss hinab in den Ort.

Das Strassendorf besteht aus einer Häuserreihe, einer Strasse und einem Hafen. Dahinter ragen hohe Klippen empor; eine tolle Kulisse.

Das Wetter wechselt heute im Minutentakt: Nieselregen, Sonnenschein und starker Wind begleiten uns.

Die Fahrt geht weiter über Macduff, Banff und Keith nach Charlestown of Aberlour in der Council Area Moray. Nun sind wir im Whisky-Gebiet angekommen.

Nach dem Einchecken auf dem «Aberlour Gardens Camping Park» wandern wir zu Fuss ins Städtchen. Spontan fragen wir in der Aberlour-Destillerie nach einer Führung, doch in den nächsten Tagen ist alles ausgebucht. Das ist weiter nicht schlimm, den es werden noch viele Gelegenheiten kommen.

Das Wasser für die «feinen Wässerchen des Lebens» kommt hier u.a. aus dem Bach «Spey». Auf unserem Rundgang entdecken wir eine elegante Fussgängerbrücke über das Gewässer sowie einen exklusiven Whisky-Laden, ein fein assortiertes Gourmetgeschäft und eine tolle Metzgerei. Überall belassen wir es beim Schauen.

Doch im nächsten Shop können wir nicht widerstehen; im Fabrikladen von «Walkers Shortbread» decken wir uns mit den äusserst leckeren Guezli ein.

Am Strassenrand hält ein Womo mit ZH-Kontrollschild. Wir tauschen ein paar Worte mit dem Fahrer und seiner Begleiterin. Seit sehr langer Zeit treffen wir mal wieder auf Schweizer.

Zurück auf dem Platz brauen wir uns einen Kaffee und testen die Biskuits ... passt!

 

Heute lassen wir uns viel Zeit mit Aufstehen, Frühstücken und einem Anruf bei Marc mit Gratulationen zu seinem runden Geburtstag. Ausserhalb des Womo’s herrscht an diesem Mittwoch, 12.06.2019, nur eine Farbe: grau. Es ist so verhangen, dass man nicht mal mehr Wolken sieht. Und auch die roten «squirls» (Eichhörnchen) scheinen sich alle zu verkriechen.

Gemäss Campingverwalter ist der diesjährige Mai und Juni sehr regenreich und kalt im Vergleich zu den Vorjahren. Vor einem Jahr waren wir in Finnland bei sommerlichen Temperaturen in Shorts und T-Shirts unterwegs.

Wasserdicht verpackt machen wir uns dennoch auf und drehen eine kurze Runde in der Gegend. Der Nieselregen geht durch Mark und Bein und nach einer Stunde freuen wir uns wieder auf unser warmes Zuhause.

Wir verlassen Aberlour in westlicher Richtung. Es ist noch immer bewölkt, doch im Gegensatz zu gestern gibt es lichte Momente und sogar einige wenige Sonnenstrahlen. Die Temperaturen sind allerdings mit 6 Grad nicht gerade berauschend.

Inverness lassen wir ebenfalls aus, da wir die Stadt bereits besucht haben. Nächtigen wollen wir in Dingwall und fahren so kurz vor dem Mittag den «Dingwall Camping and Caravanning Club» an. Das freundliche Verwalterpaar bittet uns, bis 13:00 Uhr zu warten. Dann würden sie uns den noch einzigen freien Platz vermieten.

Dann werden wir Zeugen, wie der Fahrer eines Wohnwagens den Zaun und die Blumenkisten vor der Rezeption abrasiert. Er fährt viel zu schnell um die Kurve und schon kracht’s. Zum Glück nur Material- und kein Personenschaden.

Bei trocknem, aber kühlem Wetter spazieren wir zum nahen Cromarty Firth, ein Meeresarm an der Nordküste des Moray Firth.

Dann schlendern wir durch die High Street von Dingwall und staunen über das teilweise gigantische Angebot in den verschiedensten Geschäften. Kaufen wollen/müssen wir nichts, doch das «Lädele» macht Spass.

Auf dem Platz werden wir von einer ganzen Schar Hasen empfangen. Die Tiere haben sich hier ihre Wohnlöcher gegraben und sind somit unsere Nachbarn ...

 

Geht doch! Die Sonne hat den Weg in die schottischen Highlands wiedergefunden. Wir freuen uns über einen warmen und heiteren Tag. 

Auf der «A9» herrscht in beiden Richtungen dichtes Verkehrsaufkommen. Einen ersten Halt machen wir in Dornoch in der Grafschaft Sutherland. Sehenswert sind hier die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert sowie das Castle, wo heute Hotelgäste empfangen werden. Nach einem Spaziergang durch die gepflegte Ortschaft reisen wir weiter entlang der Nordküste des «Moray Firth».

Für das Entgelt von £ 12.00 pro Person dürfen wir das «Dunrobin Castle» besuchen.

Als erstes bewundern wir den grossen Garten.

In den Beeten blüht es wieder in allen Farben und Formen. Einige Fuchsia-Gewächse sollen über 100 Jahre alt sein.

Einer Falken-Vorführung wohnen viele Zuschauer/innen bei. Wir schauen nur kurz zu und nutzen dann die Gelegenheit das Schloss in Ruhe zu erkunden.

Bei einem Rundgang können wir einige der 189 Zimmer begehen. Salons, Kinderzimmer, Schlafgemächer, Badezimmer, die Bibliothek und weitere Räume sind mit viel Mobiliar, Gemälden und Dekorationen verziert.

Das Schloss ist noch immer in Besitz der Familie Sutherland. Die aktuelle Eigentümerin ist Elizabeth Sutherland, 24. Countess of Sutherland. Auch wenn es sehr touristisch ist, der Besuch hat Freude gemacht.

Von hier sind es noch 100 km bis Wick. Doch wir können es gemütlich nehmen, denn die «Wick Caravan & Camping Site» hat unsere Reservation bestätigt und somit haben wir einen Platz auf sicher.

Am Nachmittag gehen wir ins Zentrum von Wick, schlendern durch den Hafen und geniessen im Kreise von Einheimischen ein Feierabendbier im Pub «The Alexander Bain».

Obwohl wir nach dem ereignisreichen Tag müde sind, verzögert sich das Einschlafen wegen dem intensiven Kreischen der Austernfischer-Vögel etwas. Doch irgendwann kehrt dann auch bei denen Ruhe ein.

 

Ein bisschen Mystik ist schon in Ordnung. Doch der Nebel beim «Noss Head» ist gar etwas dicht.

Den Leuchtturm sehen wir erst kurz bevor wir davor stehen. Tief unten peitscht das Meer an die steilen Klippen und die Möwen halten gegen den Wind.

Ein paar hundert Meter davon entfernt stehen die Überreste des «Sinclair Castle». Die Steine der Ruinen verschmelzen mit dem schieferähnlichen Gestein, auf dem sie seit dem 15. Jahrhundert thronen.

Zwischen dem alten Gemäuer hängen Nebelschwaden und hüllen die Gegend in ein geheimnisvolles Licht. Vor der Küste stehen mächtige Felsen, auf denen wiederum Wasservögel hausen.

Obwohl wir mit den Rädern auf wenig befahrenen Strassen unterwegs sind, machen mir uns Leuchtwesten und Blicklichtern sichtbar.

Nach einer Mittagspause im Womo spazieren wir zur Whiskybrennerei «Pulteney». Gestern sind wir spontan vorbeigegangen und konnten uns noch zwei Plätze für die 14:00-Uhr-Vorstellung am Samstag ergattern.

Während einer gut einstündigen Führung erfahren wir viel über die 1826 gegründete Brennerei, die teils turbulente Geschichte, die Whiskyherstellung und natürlich die Erzeugnisse.

Wir können die Maischbottiche, die Gärtanks und die Destillerie besichtigen und zwar die richtigen Arbeitsgeräte, nicht etwa irgendwelche Ausstellungsstücke.

Zum Schluss dürfen wir dann noch in einer gemütlichen Stube zwei Sorten degustieren. Der zwölfjährige Single Malt «Old Pulteney» schmeckt uns am besten.

Auf dem Weg zum Restaurant kommen wir nochmals beim Hafen vorbei. Heute ist hier richtig was. Am «Wick Lifeboat Harbor Day» stellen die Seerettung, die Feuerwehr und die Polizei ihre Tätigkeiten vor. Musikgruppen sorgen für Unterhaltung und die Besucher/innen verpflegen sich an verschiedenen Ständen.

Wir bevorzugen ein «fish and chips»-Menu im selben Lokal, wo wir gestern schon waren. Wiederum haben wir Glück und finden einen freien Tisch, wo wir unser Essen und die Stimmung geniessen können.

Ein durch und durch schottischer Tag, wie er nicht typischer sein kann ...!

 

Am Sonntag setzen wir unsere Reise entlang dem grössten Fjord von Grossbritannien fort. Die Landschaft ist hügelig, grün und zwischen den Siedlungen liegen grosse Landwirtschafts- und Weideflächen. Wir befinden uns an der Küste der Grafschaft «Caithness», wo unzählige Schlösser oder deren Ruinen als Zeitzeugen stehen. Das stattliche «Freswick Castle» schauen wir bei einem Halt das der Ferne an.

Über eine schmale, aber geteerte Strasse gelangen wir zum «Duncansby Head» und finden auch einen passenden Parkplatz gleich beim Leuchtturm.

Dann geht’s zu Fuss über saftige Schafweiden. Die wolligen Vierbeiner und ihre Jungen haben hier unermesslich viel Platz. Dennoch hat sich ein Tier durch den Zaun gezwängt und frisst nun recht nahe dem Abgrund. Mit gut zureden gelingt es uns, dass Schaf wieder auf die sichere Weide zu lotsen.

Bald öffnet sich der herrliche Blick auf die «Duncansby Stacks». Die Felsnadeln trotzen Wind und Wetter und stehen stramm vor der Steilküste. Wiederum eine einmalige Kulisse, die wir hier erleben dürfen.

Der strenge Geruch verrät uns, dass in den Klippen Seevögel wohnen. Nebst Möwen und Lummen entdecken wir mit dem Fernglas auch wieder einige Papageientaucher (ja, es sind unsere Lieblinge!).

Rechtzeitig bevor eine grössere Gruppe aufkreuzt, machen wir uns von dannen. Die «A836» führt vorbei am «Castle of Mey». «Queen Mum» erwarb das im 16. Jahrhundert erstellte Anwesen. Die gebürtige Schottin liebte den Sitz als Rückzugsort. Heutzutage weilt Prinz Charles jeweils Anfangs August hier.

Mit unserem mobilen «Schloss» residieren wir heute Nacht in der nördlichsten Stadt der britischen Hauptinsel. Auf dem «Thurso Caravan Park» stehen wir in der ersten Reihe mit Blick auf die Orkney Inseln.

Vom Hafen in Thurso verkehren Fähren nach Stromness auf der Insel Mainland (Orkney). Früher war die Stadt auch bekannt für den Export von Steinplatten (Schichtstein) in die ganze Welt. So wurden Gehwege u.a. in Sydney oder Montevideo mit solchen Platten belegt.

Wettertechnisch stimmt unser Timing bestens. Alle Outdoor-Aktivitäten haben wir bei trockenem und oft sonnigem Wetter genossen, am Nachmittag sitzen bereits gemütlich im Womo als ein heftiger Regen niedergeht.

 

Unsere heutige ca. 115 km lange Etappe führt entlang der schottischen Nordküste. Das Gebiet ist dünn besiedelt und wir treffen auf deutlich mehr Schafe als Menschen. Zäune gibt es immer seltener und so heisst es noch besser achtgeben. Besonders die Lämmer sind unberechenbar und springen schon mal Richtung Fahrbahn.

Doch das Tempo ist sowieso gemächlicher, denn oft ist die Strasse einspurig und gekreuzt wird bei den Ausweichstellen. Das klappt bestens auch mit grösseren Lastwagen und andern Womos. Seit längerem kommen uns auch mal wieder CH-Fahrzeuge (SG und AG) entgegen.

Und nun zu dieser unbeschreiblich schönen Gegend: sanfte Hügellandschaften mit kleinen Seen, schroffe Felsen, wolkenverhangene Gipfel, steile Klippen mit sandigen Buchten und das türkisfarbene Meer. Wie gesagt, in Worte zu fassen ist nicht einfach, deshalb am besten einfach Bilder gucken.

Die Strecke führt über Bettyhill und Tongue zum Loch Eriboll und dann weiter bis nach Durness. Unterwegs halten wir immer wieder an und lassen uns von der tollen Aussicht verzaubern.

Doch das Ganze wird noch getoppt, nämlich von unserem Standplatz auf der «Sango Sands Caravan & Campsite» in Durness: erste Reihe, Meerblick vom Feinsten, der Strand zu unseren Füssen.

Bei einem Spaziergang am Meer bekommen wir dann alle Wetterelemente zu spüren, von Sonnenschein über Windböen bis hin zum Niederschlag. Und das alles im Minutentakt. Crazy!

 

Mit der Wanderung am 18. Juni 2019 erreichen wir den bisher nördlichsten Punkt auf unserer Tour durch Grossbritannien.

Auf einem Fahrsträsschen geht’s vorbei am «Loch Croispol» zum kleinen Weiler «Balnakeil».

Die Ruinen der ehemaligen Kirche (erbaut 1619) sind mit Efeu bewachsen und viele der Grabsteine sind umgefallen. Die Natur holt sich den Platz sukzessive zurück.

Dieser Punkt am Meer ist mit den Autos erreichbar, deshalb sind auch einige Leute vor Ort. Je länger wir auf dem Pfad Richtung «Faraid Head» gehen, desto einsamer wird es. Wir durchwandern die grössten Sanddünen der britischen Inseln und werden dabei mit Sand paniert. Der Wind bläst so heftig, dass es kein Entkommen gibt. Also heisst es Kapuzen hochziehen, Mund zu und weiterziehen auf der Halbinsel.

Und es lohnt sich! Immer wieder werden wir mit herrlichen Ausblicken auf das Meer, die Küste und weites Weidegebiet mit Schafen belohnt. Eine militärische Radarstation kann gut umgangen werden und ansonsten herrscht vor allem viel Natur. Die Hasen haben hier riesige Löcher als Behausungen gegraben. Ab und zu huscht ein Langohr über die satt grünen Wiesen.

Für den Rückweg wählen wir den Pfad am Strand und verhindern so nochmals in den Sandsturm zu gelangen.

Rechtzeitig bevor ein Schauer niedergeht, erreichen wir unser Zuhause. Zum Glück gibt’s hier schön warme Duschen. So können wir uns von den Salz- und Sandkrusten befreien und dann die Beine hochlegen. Waren wir doch ca. 12 km unterwegs und mussten uns kräftig gegen den Wind stemmen.

 

Unsere Route vom 10. - 19. Juni 2019

Fraserburgh - Clachtoll: 651 km

Mit dem Bike unterwegs: 50 km

 

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