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Am Montag, 8. Juli verlassen wir das geschäftige Portrush in westlicher Richtung. Bei Derry (offiziell Londonderry) überqueren wir den «Foyle River» und wenig später auch die Landesgrenze.

Die Republik Irland ist unser 24. Reiseland und es ist unser erster Besuch. Schon im kleinen Grenzort Muff sind die ersten Unterschiede zum britischen Nordirland erkennbar: die Kraftstoffpreise sind wieder in EUR angeschrieben und einiges tiefer, die Distanzen sowie die Geschwindigkeitsregeln sind in km/h und nicht mehr in Meilen angegeben. Was bleibt, ist der Linksverkehr.

Carndonagh liegt in der Grafschaft Donegal und bietet an ansprechende Infrastruktur. Nach dem Einkaufen und Tanken fahren wir weiter in den nördlichen Teil der Halbinsel Inishowen.

Unweit von Ballyliffin haben wir einen Campingplatz reserviert und steuern diesen nun an. Doch irgendwie kann hier etwas nicht stimmen. Eine immer schmaler werdende Strasse führt zu einer Siedlung an einem Hügel. Doch von Camping ist weit und breit nichts zu sehen, kein Hinweisschild, rein gar nichts. Wir versuchen es nochmals mit den Koordinaten- und Adresseingabe und stellen dann fest, dass der Platz auf unserem App falsch markiert ist.

Im zweiten Anlauf klappt es dann, obwohl wir uns zuerst auch hier nicht sicher sind, denn auf dem Gelände stehen nur festinstallierte Caravans und an der Rezeption ist rein gar nichts los. Am Ende eines langen Weges finden wir dann die Stellplätze und parken unser Womo. Es geht nicht lange, da taucht der Verwalter auf und findet nach einigem Suchen auch unsere Buchung. Ende gut, alles gut.

Das Wetter zeigt sich schon mal landestypisch, will heissen, dass sich Regen, Wind und Sonnenschein im Viertelstundentakt abwechseln. Dennoch wagen wir einen Spaziergang an die nahe Küste.

Doch was wir hier antreffen, macht uns mehr als nachdenklich. Überall liegt angeschwemmter oder liegengelassener Müll: Plastikflaschen, Dosen, Kleider, Seile, Kanister und vieles mehr. Einfach nur schrecklich!

 

Trotz durchzogenen Wetterprognosen starten wir heute zu einer Wanderung. Vorbei an der Ruine der «Straid Curch» gelangen wir zu einem Cottage. Da gerade wieder ein Schauer niedergeht, kaufen wir uns einen Kaffee und trinken diesen bei einem überdachten Picknick-Platz.

Hier treffen wir auf eine Familie mit vier Kindern, die nach fünf Jahren in Neuseeland wieder zurück in Irland sind. Die Jungs geniessen ihre zuckersüssen und farbigen Eisbecher, wenn auch die Hälfte der Schleckerei auf den Kleidern landet.

Ein schön angelegter Pfad führt ca. ein Kilometer in ein kleines Tal an dessen Ende ein Wasserfall plätschert. Viel mehr gibt es hier nicht zu sehen, also nehmen wir noch den Weg ans Meer unter die Füsse.

An einem wunderschönen Strand versuchen sich Kinder im Wellenreiten. Doch es sieht mehr nach vergnügten Plantschen aus. Dank Neopren-Anzügen lässt es sich anscheinend gut im Wasser aushalten.

Der Walk auf dem schmalen Dünenweg wird zu einem Hindernislauf. Auf dem sandigen Boden tummeln sich unzählige Schnecken mit wunderschönen Behausungen. Natürlich wollen wir diese Bauwerke nicht zerstören und passen bei jedem Schritt auf.

Auf dem letzten Stück des Rückweges gelangen wir dann noch in den chaotischen Versuch eines Bauern, seine Kühe von einer zur andern Weide zu treiben. Die Muttertiere und ihre Kälber packen die Gelegenheit und nehmen Reissaus. Wir reden dem Vieh gut zu und schliesslich finden alle den Weg auf die saftigen Wiesen.

Mit einigen Kilometer in den Beinen kehren wir Heim und stellen fest, dass auch heute nur wenige Gäste auf dem Gelände sind. Uns soll’s recht sein.

 

Aufgrund der anhaltenden Wetterkapriolen machen wir ausnahmsweise mal einen Ausflug mit dem Womo.

Unser Entscheid wir belohnt. Beim «Malin Head» weht zwar der übliche Wind (hier kann es bis zu 180 km/h stürmen), doch es ist trocken, ja die Sonne blinzelt sogar ein bisschen zwischen den Wolken durch. Nun stehen wir am nördlichsten Punkt des irischen Festlandes und geniessen die Weite – amazing!

Über ein Pfad wandern wir bis zum «Hell hole», einem tiefen Einschnitt in der felsigen Steilküste.

Auf dem höchsten Punkt steht ein ausgedienter Wachturm der Armee. Weisse Steine auf einer grünen Wiese sind zum Wort «ÉIRE» ausgelegt. So wussten im zweiten Weltkrieg die Flugzeugpiloten, dass sie neutrales Gebiet überfliegen.

Heutzutage ist es hier sehr friedlich. Ein Einheimischer installiert gerade sein Espresso-Mobil und nur ein paar Minuten später rollt schon der erste Reisecar über die schmale Strasse an. Das ist für uns das Zeichen, den eindrücklichen Ort zu verlassen.

Wir folgen dem Wegweiser zum «Five Fingers Beach». Zum Glück parken wir gleich bei der Kirche und gehen den Rest zu Fuss. Denn der Fahrweg endet plötzlich und ein Wendemanöver wäre zu einer echten Herausforderung geworden.

Am Strand tummeln sich ein paar Unverwüstliche. Doch der grosse Ansturm bleibt aus, denn es ziehen auch schon wieder dunkle Wolken auf.

Auf der Rückfahrt schüttet es teilweise aus Kübeln und unser fahrendes Zuhause bekommt von den nassen Strassen eine ganze Ladung Dreck ab. Das lässt sich nun mal nicht vermeiden.

Am Nachmittag bleibt noch Zeit zum Lesen, Planen, Schreiben und Bloggen.

 

Bei recht freundlichem Wetter verlassen wir Clonmany und fahren weiter im «County Donegal». Unser Ziel ist der «Rockhill Holiday Park» bei Ranny.

Die grosse Anlage liegt am «Mulroy Bay», die für die Lachszucht bekannt ist. Heute kommt aber kein Fisch sondern feine Fleischbällchen auf den Grill.

Hier haben wir seit längerer Zeit mal wieder eine stabile Internet-Verbindung. So können wir Mails und SMS beantworten und einige Recherchen tätigen.

 

Für die Weiterfahrt wählen die recht gut ausgebaute «N56». Sie führt uns u.a. nach Dunfanaghy an der Sheephaven Bay. Im kleinen Hafen machen wir einen kurzen Halt.

Die Fahrt durch die Dörfer ist immer ein «Hindernislauf». Wie in Grossbritannien parken auch die Irren ihre Autos einfach auf der Strasse. In Falcarragh stehen noch Marktstände am Strassenrand und Lieferwagen blockieren den Verkehr. Wir bahnen uns sorgfältig einen Weg durch das Gewühl. Ausserorts ist es dann schnell wieder ruhiger.

Nach Ardara biegen wir ins «Glengesh Valley» ab. Die kurvenreiche Strasse schlänget sich durch das malerische Tal und später durch Landwirtschaftsgebiet nach Carrick.

Unser nächster Camping gehört zum «Derrylahan Hostel». Der Verwalter hat unsere Mailanfrage beantwortet und noch auf die ev. «schwierige» Zufahrt hingewiesen. Diese erweist sich zwar als herausfordernd, aber machbar. Und so schlafen wir die kommenden zwei Nächte oberhalb eines fjordähnlichen Meerarmes.

 

Am Samstag, 13. Juli, werden wir mal wieder vom Krähen eines Hahnes geweckt. Er und sein Harem gehören nebst Hunden und Kühen zum Inventar des Hostels.

Die Bewölkung lockert immer mehr auf und wir satteln unsere Räder. Dass wir mit Wanderschuhen in die Pedalen treten, ist eher selten, hat aber seinen Grund.

Nach 10 km erreichen wir den sogenannten «Upper Car Park». Hier versuchen die Automobilisten ihre Wagen zu parken, doch eigentlich ist der Parkplatz voll. Bei uns muss das Verbotsschild «No overnight parking» (gemeint sind natürlich Camper) als Velosicherung herhalten.

Wir sind bereits auf 143 m.ü.M. und blicken hinunter auf den Atlantischen Ozean. Mit jedem Schritt öffnen sich neue, herrliche Blicke auf die steil abfallenden Klippen. Die «Slieve League» gehört zu den eindrücklichsten Felsküsten. Ob es die höchsten in Europa sind, darüber wird gestritten. Doch das spielt für uns sowieso keine Rolle; wir freuen uns über die eindrückliche Naturkulisse.

Die schroffen Felswände erheben sich bis 600 über dem Meer. Die Wanderung führt zuerst über einen gut ausgebauten Pfad, dann stampfen wir immer mehr durch wegloses und nasses Moorgebiet. Das «grobe» Schuhwerk ist also angebracht.

Wir lassen uns viel Zeit zum Fotografieren, Staunen und Geniessen. Auf dem Rückweg lassen wir es sausen. Mit über 52 km/h geht’s wieder auf Meereshöhe hinab. In Carrick würden wir gerne für ein Bierchen einkehren. Doch irgendein irisches Gesetz verbietet es den Wirten, nur alkoholische Getränke (ohne Essen) auszuschenken. Das erinnert uns an Australien ...

So kehren wir durstig, aber zufrieden Heim und trinken hier eine kühle Erfrischung.

 

Es gab Tage, da wollten wir den «Wild Atlantic Way», dem wir nun schon eine ganze Weile folgen, in «Wet Atlantic Way» umbenennen. Unsere Gedanken wurden «oben» anscheinend gehört und wir freuen uns über einen sonnigen und warmen Sonntag. Entlang der irischen Westküste reisen wir weiter nach Süden.

Bei der Megalithanlage von «Creevykeel» legen wir einen Kaffeehalt (selbst gebraut) ein und besichtigen die Grabanlage, die Schätzungen nach 3'200 bis 2'500 v. Chr. erstellt worden ist.

Auf dem Weg nach Sligo kommen wir am Fusse des 527 Meter hohen «Ben Bulben» vorbei. Der Tafelberg ist in der Eiszeit entstanden und gehört zu bekanntesten Bergen von Irland. Um das eindrückliche Gebirge ranken sich einige Legenden und Mythen.

Um die Mittagszeit landen wir auf dem «Strandhill Caravan & Camping Park» im gleichnamigen Ort. Der Platz ist gut besetzt und wir bekommen nur noch eine Parzelle ohne Strom, dafür in der ersten Reihe und mit herrlichem Meerblick.

Das quirlige Städtchen ist ein «Surfermekka» und viele Urlauber flanieren entlang dem Meer. Dann taucht ein Mann bei unserem Womo auf und stellt sich als Ted vor. Er und seine Frau planen den Kauf eines Womos und unser Modell scheint ihm zu gefallen. Wir beantworten ihm seine Fragen und geben ihm nützliche Informationen. Das er unser Fahrzeug kauft, ist natürlich keine Option, da ja das Steuerrad auf der verkehrten Seite ist...

Am Abend gönnen wir uns mal wieder ein Essen auswärts: eine feine Pizza und ein Ale (einheimisches Bier). Krönender Abschluss des Tages ist ein malerischer Sonnenuntergang über dem Atlantik, direkt vor unserer Haustür!

 

Unsere Route vom 8. - 14. Juli 2019

Portrush - Strandhill: 544 km

Mit dem Bike unterwegs: 20 km

 

 

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