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Da wir Südwestengland (Cornwall, Devon) schon früher besucht haben, reisen wir weiter in die sogenannten «Cotswolds». Das 2'000 km2 grosse Gebiet erstreckt sich über sechs Grafschaften und fungiert unter dem Label «Area of Outstanding Natural Beauty (AONB)».

Für den Weg dahin wählen wir soweit wie möglich die Autobahnen. Dabei überqueren wir auch die «Zweite Severnbrücke» in der Nähe von Bristol. Unterwegs regnet es wieder wie aus Kübeln und das Tempo muss wegen Aquaplaning gedrosselt werden.

Zum Nächtigen haben wir die Ortschaft «Bourton-on-the-Water» (als hätten wir nicht schon genug Wasser ...) gewählt. Um zum vorgesehen Camping zu kommen, müssen wir durch das Dorf fahren. Sofort sind wir uns einig, dass wir das «Sightseeing» erst am Montag machen. Heute scheint der Ort überlaufen zu sein.

Dann stellt sich mal wieder heraus, dass sich der Campingplatz nicht dort befindet, wo er auf der Karte eingezeichnet ist. Wir landen in einem Einfamilienhausquartier bzw. in einer Sackgasse. Zweimal müssen wir bei Passanten nachfragen, um schliesslich den sehr versteckt gelegenen Platz zu finden. Hinweisschilder gibt’s überhaupt keine.

Für zwei Nächte richten wir uns ein auf dem Farmgelände mit Teich, Gänsen und einer einfachen Infrastruktur.

 

Es ist ein tierisches Schauspiel, das die gefiederten Bewohner hier abliefern. Haubentaucher, Moorhennen, Tauben, ein Graureiher und zwei Weisswangengänsefamilien beschäftigen sich ausgiebigen mit der Morgentoilette und machen Yoga. Einige halten gebannt Ausschau nach Fischen.

Gegen Mittag verziehen sich die grauen Wolken und wir spazieren ins Städtchen. Die Vorstellung «Bourton-on-the-Water» heute in Ruhe anschauen zu können, verfliegt schnell. Die vorwiegend asiatischenTouristen werden mit den Cars herangefahren und haben dann vielleicht eine halbe Stunde Besuchszeit.

So herrscht auch an diesem Montag Dichtestress und Hektik an den Gestaden des Flüsschen «Windrush». Über das seichte Gewässer führen mehrere Steinbrücken ohne Geländer. Das bringt dem Ort den Beiname «Venedig der Cotswolds».

Etwas abseits der grossen Massen entdecken wir ruhige Gassen mit den typischen honigfarbenen Steinhäusern und die «St. Lawrence’s Chruch». Entlang der Hauptstrasse reihen sich unzählige Geschenkläden an ebenso viele Restaurants. Es geht zu und her wie in einem Bienenhaus.

Deshalb ziehen wir es vor, einen Ausflug in ein Naturschutzgebiet in der Nähe des Campingplatzes. Hier geniessen wir die Stille in der Natur. Bei einem Bach taucht ein Otter ab, als wir über den Steg wandern. Leider zeigt er sich nicht mehr...

Am späten Abend zeigt sich ein fast voller Mond am wolkenlosen Himmel. Die Nacht wird entsprechend kalt.

 

Wer hätte das gedacht?! Kurz entschlossen entscheiden wir uns für einen Aufenthalt in London. So schnell werden wir nicht wieder die Gelegenheit haben, in die britische Metropole zu reisen. Zudem liegen unsere letzten Besuche schon über 30 Jahre zurück.

Wer mit dem Auto Richtung London fährt, muss unbedingt die «Low Emission Zone» beachten. Deshalb wählen wir den Campingplatz ausserhalb dieser gebührenpflichtigen Umweltzone. Wir richten uns für drei Nächte auf der «Lee Valley Campsite Sewardstone» im Norden der Stadt nieder. An der Rezeption können wir auch gleich die öV-Tickets für den nächsten Tag kaufen.

 

Am Mittwoch, 14. August fahren wir zuerst mit dem Bus zur U-Bahnstation «Walthamstow Central». Dann geht’s mit der «Victoria-Line» direkt in die City.

Wir schlendern durch die gut besuchte Stadt und kommen an einigen der vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Unser Rundgang beginnt bei der im klassizistischen Barock erbauten St. Paul’s Cathedral.

Von dort geht’s via «Millennium Bridge» ein erstes Mal über die Themse, die heute ziemlich braun und aufgewühlt durch London fliesst. Von hier aus blicken wir auf die eindrücklichen Wolkenkratzer.

Da sich der Himmel mal wieder entleert, kommt uns ein Besuch in der «Bankside Power Station» gerade gelegen. Das ehemalige Ölkraftwerk wurde von den Architekten Herzog & de Meuron zum gestaltet und beherbergt seit 2000 die bekannte «Tate Gallery of Modern Art».

Vorbei an der schicken «Hay’Wharf» und der «HMS Belfast», einem britischen Kriegsschiff der Royal Navy aus dem Zweiten Weltkrieg, geht’s Richtung «Tower Bridge».

Über die 244 Meter lange kombinierte Hänge- und Klappbrücke kommen wir wieder ans Nordufer des Flusses.

Die «St. Katharine Docks» haben eine lange und bewegte Geschichte. Heute macht das Gelände mit Geschäfts- und Wohnhäusern, verschiedenen Restaurants und einem Yachthafen einen angenehm ruhigen Eindruck.

«Her Majesty’s Royal Palace and Fortress the Tower of London» (kurz einfach «Tower of London») wirkt wie eine uneinnehmbare Festung. Doch wir wollen die britischen Kronjuwelen gar nicht stehlen …

Dann tauchen wir mal wieder in den Untergrund und lassen uns mit «the tube» in die «City of Westminster», einem bedeutenden Stadtteil, chauffieren. Hier steht am Ufer der Themse der weltbekannte Glockenturm «Big Ben». Doch der «grosse Benjamin» braucht ein face-lifting und ist deshalb eingehüllt. Und auch am anschliessenden «Palace of Westminster» (auch «House of Parliament») bröckelt die Fassade ...

Vor der «Westminster Abbey» stehen die Besucher in langen Warteschlagen. So begnügen wir uns mit dem Bestaunen der gigantischen Kirche von aussen.

Beim grossen Paradeplatz «Horse Guards Parade» kommen wir gerade richtig zur berittenen Wachablösung. In Londons City trifft man auf unzählige Plätze. Wir besuchen zwei der bekanntesten: den «Trafalgar Square» in dessen Mitte Admiral Nelson grüsst und den «Piccadilly Circus», wo der Erosbrunnen in der Menge fast untergeht.

Da Boris keine Zeit für Apéro hat und die Queen uns nicht zum Tee treffen will, machen wir uns auf in den Stadtteil «Soho». Das Quartier gilt als das quirligste und schrägste der Stadt. Wir verlassen uns auf unser Gefühl und wählen das rustikale und recht authentische Pub «The Ship» für ein leckeres «fish and chips»-Menu. So viel Sightseeing macht hungrig.

Die Zeit vergeht schnell in der Grossstadt und so treten wir bei der Station «Oxford Circus» die Rückreise an, bevor die Rush-Hour beginnt. Wobei hier scheint immer alles voll und sehr hektisch zu sein.

Wir schauen auf einen spannenden und erlebnisreichen Tag in «London by Rain» zurück.

 

Auch die zweite Nacht praktisch auf dem Nullmeridian (51°39'19.1" N / 0°0'26.1"W) ist ruhig, obwohl der Platz gut belegt ist.

Nach dem Mittag setzt sich die Sonne vollständig durch, höchste Zeit also die Fahrräder aus der Garage zu nehmen. Unsere Tour führt durch ein flaches Gelände mit einer interessanten Kombination von Reservoir für die Wasserversorgung von London und einem Naturschutzgebiet. In der Gegend werden aber auch zahlreiche Wohnblöcke in sicherlich begehrter Lage hochgezogen.

Unterwegs treffen wir auf weitere Gegensätze. Da sind einerseits die wilden Brombeerhecken entlang der teilweise schmalen Wege. Wir pflücken uns die reifen Beeren und stecken die einen direkt in den Mund und packen die andern in eine Plastikdose.

Anderseits machen uns Berge von Unrat entlang der Route nachdenklich. Höhepunkt der Verschmutzung ist sicher das «Skelett» eines ausgebrannten Rollers.

Der «River Lee Navigation» ist ein Kanal, der in die Themse fliesst und sogar die Heimat von Ottern sein soll. Das scheue Tier taucht jedoch nicht auf. Entlang dem Ufer sind unzählige Hausboote vertaut. Einige Schiffe sind gut unterhalten und bieten den Bewohnern ein gemütliches Zuhause. Bei andern nagt der Zahn der Zeit und damit auch der Rost. Wir stellen uns vor, dass die Bewohner/innen der Boote eine genauso gemischte Truppe ist, wie die Camper ...

Zum Schluss steuern wir noch einen Aussichtspunkt in einem weitläufigen Park an. Hier ist allerdings jede kleine Erhebung ein «View Point». Doch am Horizont können wir tatsächlich die Skyline von London City erkennen. Crazy!

 

Am Freitag, 16. August ziehen wir von der Grossstadt wieder aufs Land. Da das Wochenende vor der Tür steht, verlassen wir bei Witham die «A12» um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Doch das Vorhaben scheitert schon fast bei der Parkplatzsuche. Schliesslich finden wir auf dem sehr gut belegten Platz eine passende Lücke für unser Womo.

Im Laden herrscht ebenfalls Grossandrang. Anscheinend erhalten heute die Rentner Rabatte auf ihren Einkäufen. Anders lässt sich die Invasion von Pensionierten nicht erklären.

Per Mail haben wir uns auf dem «Woodpecker Meadow Camping and Caravanning» bei Easthorpe (Essex) einen Platz für drei Nächte reserviert und mit der Verwalterin abgemacht, dass wir gegen Mittag eintreffen werden.

Das klappt alles bestens und wir können uns auf der grossen Wiese installieren. Der Campingplatz ist gemäss Beschilderung nur für Mitglieder, doch hier scheint man das nicht so eng zu sehen. Nach der Hektik und der eher schlechten Luft von London, freuen wir uns auf ruhige Tage in der Natur.

Leider lässt der Regen nicht lange auf sich warten und auch unsere «heissgeliebten» Tauben gurren wieder, was das Zeug hält. Der «woodpecker» (Specht) lässt sich allerdings nicht blicken.

 

Der Samstag beginnt mit einem beinahe platten Reifen bei meinen Fahrrad. Wo hab ich mir den wohl eingefangen? Die Verwalterin hat zum Glück einem Kompresser und da der Reifendruck zu halten scheint, wagen wir die Ausfahrt.

Nach rund 14 km über schmale Landstrassen, schlammige Waldwege, stark frequentierte Hauptstrassen und unzählige Kreisel erreichen wir Colchester, die älteste Stadt von England

Die Römer nannten den Ort «Camulodunum» und an der Stelle wo zu römischen Zeiten der «Tempel des Claudius» stand, thront heute das «Castle». Die Festung wurde ursprünglich zwischen 1070 und 1100 n. Chr. erbaut.

Rund um das Kastell wurde im 18. Jahrhundert ein grosszügiger Park errichtet. Die Grünanlage mit vielen Blumen, grossen Rasenflächen, Teichen und Bänken ist an diesem Sommertag ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

Obwohl es heute schön warm ist, denken einige anscheinend schon an kältere Jahreszeiten! Wir beobachten, wie ein graues Eichhörnchen ein Loch buddelt und eine Nuss vergräbt. Zum Schluss tarnt es das Versteck noch mit Ästen und Blätter. Dieser Wintervorrat wäre dann mal gesichert; hoffentlich findet es das Futter dann auch wieder.


Klick auf das Bild um zu sehen wie ein Eichhorn eine Erdnuss vergräbt!

In den zahlreichen Einkaufsstrassen von Colchester herrscht Hochbetrieb. Wir schieben die Räder durch die Fussgängerzone und amüsieren uns über die Geschäftigkeit und das vielfältige Angebot in den Läden.

Mit vielen Impressionen und Süssigkeiten im Gepäck radeln zurück. Den sonnigen Nachmittag geniessen wir draussen bei Kaffee, Berliner (gefüllt mit Vanillesauce) und spannender Lektüre.

 

Ursprünglich wurde uns für den Sonntag viel Sonnenschein versprochen ... doch es kommt etwas anders. Auf halber Strecke zur «Mersea Island» ziehen sich die grauen Wolken immer mehr zusammen und entleeren sich mal wieder. Wir halten unter einer grossen Eiche und können im Schutze des Blätterdaches die Regenkleider überziehen. Dann heisst es Augen zu und durch den Schauer radeln.

«The Fox Inn» in West Mersea ist unsere Rettung. Im Restaurant können wir den Durst löschen und die Kleider etwas trocknen. Wir bleiben so lange, bis die Sonne wieder scheint.

Danach zieht es uns doch noch an den Strand im Süden der Insel. Hier treffen wir auf bunte Badehäuschen, die wie Perlen an einer Schnur aufgereiht im Sand stehen.

Querfeldein radeln wir durch kleine Siedlungen und Landwirtschaftsgebiet. Die Kirche «St Stephen» liegt auf einer Anhöhe bei Great Wigborough und bietet eine schöne Aussicht aufs Umland.

Und auch das Historische darf nicht fehlen. Dazu fahren wir zum «Layer Marney Tower», einem Schloss das 1520 im sogenannten Tudorstil erbaut wurde. Rund um den Backsteinbau grasen Pferde und Dammwild im Park.

Zurück auf dem Campingplatz werfen wir den Grill an, tauschen uns mit den britischen Nachbarn aus und lassen das Wochenende gemütlich ausklingen.

 

Unsere Route vom 11. - 18. August 2019

Swansea - Clochester: 481 km

Mit dem Bike unterwegs: 95 km

 

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