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Vom Teutoburger Wald wechseln wir zum Wochenanfang in den Thüringer Wald. Die Fahrt geht über Bundesstrassen, Autobahnen und über ein erst kürzlich eröffnetes Teilstück der «A44». Nachdem wir uns durch den Verkehr der «kreisfreien Wartburgstadt Eisenach» gekämpft haben, ist es nicht mehr weit nach Marksuhl.

Am «Altenberger See» installieren wir uns für drei Nächte auf dem «Campingpark Eisenach». Auf dem weitläufigen Gelände wohnen viele Dauermieter und die Infrastruktur ist gut.

Im Schatten der Markise geniessen wir das hochsommerliche Wetter und am Abend ein Znacht vom Grill.

 

Dienstag, 27.8.2019: für heute sind hohe Temperaturen und auch Gewitter angesagt. Also brechen wir zeitig auf und folgen ein Stück dem «Lutherweg». Der Weitwanderweg erinnert natürlich an die Familie Luther.

Das ehemalige Residenz- und Jagdschloss «Wilhelmsthal» hat schon bessere Zeiten gesehen. Nach einer wechselvollen Geschichte beherbergte das Schloss bis 1993 ein Kinderheim. Nach dessen Aufgabe verfiel die Anlage zusehends. Sanierungsarbeiten scheinen nur langsam zugreifen.

Ebenso trist steht es um den Wilhelmsthaler Stausee. Das Gewässer mit einem Stauvolumen von 220'000 m3 wurde ursprünglich als Gondelteich konzipiert. In den neunziger Jahren verschlammte der See und musste schliesslich trockengelegt werden.

Einzig die Parkanlage mit teils prächtigen Bäumen hinterlässt einen einigermassen gepflegten Eindruck.

Für den Rückweg wählen wir die Route durch den Forst. Der Wald wir für den Holzschlag genutzt, wobei viele Bäume auch wegen Trockenheit von alleine umkippen. Die Stämme müssen dann schnell entrindet werden, damit sich der Borkenkäfer nicht ausbreiten kann.

Keine Menschenseele ist unterwegs, dabei hat der Wald einiges zu bieten: Pilze, Holunderpflanzen und Brombeeren. Letztere essen wir gleich von den Stauden und füllen wiederum unsere Plastikdose.

Zuhause bereiten wir uns dann eine Fruchtschale mit Pfirsichen, Aprikosen und den selbstgepflückten Beeren zu. Lecker und vitaminreich.

Dann geht es relativ schnell und das angekündigte Gewitter rollt an. Blitz, Donner und Regen zwingen uns ins Womo. Doch an dieser Stelle ist zu erwähnen, dass wir nun eine Woche lang keinen Niederschlag hatten ...

 

Das erste Stück der heutigen Wanderung führt durch einen Mischwald. Leichte Nebelschwaden und damit auch Feuchtigkeit hängen zwischen den Bäumen. Sogar ganz kleine Frösche hüpfen über den Kiesweg.

Ab Wilhelmsthal folgen wir dann dem Felsenpfad, der tatsächlich an eindrücklichen, mit Moos bewachsenen Felsen vorbeiführt. Der Weg scheint wenig begangen zu sein, entsprechend ruhig ist es.

Das ändert sich beim Punkt «Hohe Sonne». Rund um den Parkplatz und das Restaurant herrscht emsiges Treiben und eine Gruppe von Cartouristen geniesst eine Brotzeit. Hier beginnt der Abstieg in die «Drachenschlucht». Die rund 3 km lange Klamm ist an manchen Stellen nur 68 cm breit. Noch sind wenige Leute unterwegs und so kommt es auch an den engen Durchgängen nicht zu einem Stau.

Das Gebiet steht unter Naturschutz und für die Begehung wurden Wege, Stege und Treppen gebaut. An den steilen und feuchten Flanken der Schlucht gedeihen verschiedene Farne und Moose.

Wir verlassen die kühleren Tiefen der Klamm und steigen wieder ein paar Höhenmeter hinauf Richtung «Sängerwiesenhütte». Einkehren können wir allerdings nicht, denn die «Beiz» ist noch geschlossen.

Also ziehen wir weiter durch den Thüringer Wald bis sich ein erster Blick auf die «Wartburg» öffnet.

Die Burg ist sehr eng mit der Geschichte von Deutschland verbunden. Eine ausführliche Beschreibung lassen wir hier aus. Folgende Persönlichkeiten, die nebst vielen andern mit der «Wartburg» in Verbindung standen, sollen an dieser Stelle genannt sein: Reformator Martin Luther, Täufer Fritz Erbe, Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Musiker Johann Sebastian Bach.

Für die Besichtigung der im 19. Jahrhundert wieder aufgebauten Anlage und die tolle Aussicht nehmen wir uns genügend Zeit. Danach gönnen wir uns ein kühles Bier, denn die Temperaturen sind doch wieder auf 30 Grad gestiegen.

Nun nehmen wir den Abstieg vom Burghügel in Angriff. Im Schatten von mächtigen Bäumen legen wir eine Pause ein und geniessen ein kleines Picknick. Gestärkt geht’s weiter bergab Richtung Eisenach.

Nach einem Rundgang durch den «Karthäusergarten» begeben wir uns zur Bushaltestelle. Der Bus erscheint pünktlich und dann kommt es zu einem Déjà-vu! Im Fahrzeug ist es genauso schwül-heiss und stickig wie bei der Rückfahrt von Berchtesgaden nach Salzburg im Frühsommer 2018. Der Fahrer behauptet zwar, dass die Lüftung eingeschaltet sei, doch davon spüren wir nichts.

Zum Glück dauert die Fahrt nicht lange, dennoch verlassen wir den Bus schweissgebadet. Zum Camping ist es nun nur noch gut ein Kilometer zu Fuss.

Heute Abend ziehen zwar auch grosse Quellwolken auf, doch es bleibt trocken und herrlich warm.

 

«Tschüss Thüringen ... Grüessdi Bayern» heisst es am 29. August. Auf dem Weg nach Würzburg decken wir uns mit frischem Obst und Gemüse ein. Aufgrund der hohen Temperaturen kaufen wir derzeit häufiger, dafür weniger ein. Wir wollen ja nicht, dass die vitaminreiche Kost verdirbt. Dann füllen wir noch den Dieseltank und die Gasflaschen auf. Beim LPG-Gas wundern wir uns, wie wenig wir in den letzten Wochen verbraucht haben; nur etwas über 13 Liter seit dem 20. Juni!

Der Campingplatz «Kalte Quelle» liegt direkt am Main und bringt aber noch keine Abkühlung. Nachdem wir unser «akrumobile» platziert haben, satteln wir die Räder. Bei meinem Vorderrad schleicht sich die Luft langsam, aber sicher raus. Das müssen wir reparieren lassen. Der erste Händler, denn wir anfahren, verwirft die Hände und spricht von einem Termin im Oktober. Wenigstens dürfen wir den Pneu pumpen, so dass wir zum nächsten Laden fahren können.

In der Meisterwerkstatt nimmt sich dann der Chef persönlich der Sache an und wechselt nach Prüfungen des Rades schliesslich den Schlauch. Prompter Service für einen fairen Preis, da geben wir gerne noch etwas in die «Kaffeekasse».

Zurück auf dem Campingplatz hängen wir dann in den Liegestühlen ab und freuen uns, wenn ein kleine Brise aufkommt. Am Abend drücken wir den Schweizer Athleten die Daumen am «Diamond League Meeting» in Zürich.

 

Die Velos sind fit und wir auch, also steht einer Tour nach Würzburg nichts im Wege. Als erstes fahren wir zur «Festung Marienberg» hinauf. Die mächtige Anlage thront ca. 100 Meter über der linken Seite des Mains.

Auf einem Weg rund um die Festungsmauer blicken wir über die Stadt mit ihren unzähligen Kirchen, zum «Käppele», dem ehemaligen Kapuzinerkloster sowie zu den Rebbergen an den Hängen.

Die Besiedlung des Hügels begann schon in der Bronzezeit. Eine erste Burg wurde um 1200 erbaut und läutete eine wechselvolle Geschichte der Anlage ein. Im Hof stehen u.a. die kleine Marienkirche, das achteckige Brunnenhaus und der eindrückliche, runde Burgfried.

Dann sausen wir wieder an den Fluss hinunter und überqueren ihn über die «Alte Mainbrücke». Sie war der erste Brücke (1120 n. Chr.) und musste nach diversen Zerstörungen immer wieder aufgebaut werden. Die romanische Steinbogenbrücke darf heute nur noch von Fussgängern und Radfahrern genutzt werden.

Während es in der Burganlage erstaunlich wenig Leute hatte, gleichen der zentrale Marktplatz und die angrenzenden Einkaufsstrassen einem Bienenhaus. An Marktständen bieten Händler ihre Waren feil; bei frischen Pilzen nehmen wir das Angebot an. Die Anzeige gibt 31 Grad an und auch in der Marienkappelle ist die Luft stickig.

Einiges angenehmer ist es in der prächtigen Parkanlage der «Würzburger Residenz». Der Spätbarockbau wurde zwischen 1719 und 1744 erstellt und muss keinen Vergleich mit «Schloss Schönbrunn» in Wien oder «Schloss Versailles» bei Paris scheuen. Die UNESCO hat den Residenzbau als Welterbe ausgezeichnet. Der Schlosspark und der anschliessende Ringpark dienen der Stadt als «grüne Lunge».

Vorbei am Dom schlagen wir den Rückweg ein.

Nachdem wir einige «Hindernisse» wie Tramschienen, Kopfsteinpflaster oder mehrspurige Fahrbahnen erfolgreich gemeistert haben, geht’s gemütlich auf Rad- und Nebenwegen nach Hause. Krönender Abschluss des Tages ist ein feines «Risotto ai fungi» made by Andy!

 

Nach etwas Abwägen entscheiden wir uns auch bei der nächsten Etappe für die Fahrt über die Autobahnen. Sicherlich könnte man auf den Überlandstrassen mehr sehen, doch rein ökonomisch schneidet die Autobahn besser ab.

Obwohl mehrere Autobahnkreuze auf der Strecke liegen und in einigen Bundesländer noch immer Ferienzeit ist, kommen wir ohne Stau an den Rhein. Das ist nicht selbstverständlich, denn der Verkehrsfunk meldet immer wieder Behinderungen durch Unfälle, verlorene Ladungen oder Tieren auf den Fahrbahnen. Und auch in der Gegenrichtung stockt der Verkehr an manchen Stellen.

Den Campingplatz «Blaue Adria» erreichen wir noch bevor um 12:00 Uhr die Schranke für die Mittagspause geschlossen wird. Der Platz ist von Grossfamilien mit Kleinkindern bevölkert und wir richten uns mitten drin ein.

Die «Blaue Adria» gehört zur pfälzischen Gemeinde Altrip und ist ein Baggersee, der zusammen mit Armen des Altrheins ein Naherholungsgebiet bildet. Es sind nur ein paar Schritte zum Sandstrand, wo sowohl Sonnenhungrige als auch Wasserratten auf ihre Rechnung kommen. Uns macht das Gewässer trotz 34 Grad Lufttemperatur nicht an. Wir lassen uns lieber im Schatten der Bäume und unter unserem Sonnendach nieder und beobachten das Treiben.

 

Unsere Route vom 26. - 31. August 2019

Horn-Bad Meinberg - Altrip: 557 km

Mit dem Bike unterwegs: 33 km

 

 

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