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In der Nacht von Samstag auf Sonntag war echt was los auf dem Platz und das Partyvolk hat teils ausgiebig gefeiert. Deshalb sind am frühen Morgen noch wenig Leute unterwegs.

Wir wollen die kühleren Stunden für die Velofahrt nach Schwetzingen nutzen. Mehrheitlich über Radwege gelangen wir an den Rhein, wo uns die «Kollerfähre» ans andere Ufer bringt. Nach insgesamt 15 km erreichen wir den Schloss-Platz der Stadt.

Uns sind schon bei der Anfahrt diverse Oldtimer aufgefallen. Es stellt sich dann heraus, dass im Garten des Schwetzinger Schlosses ein grosses Treffen von klassischen Autos stattfindet. So haben wir doppeltes Vergnügen, denn wir können nebst den weitläufigen Parkanlagen auch die verschiedensten Oldtimer bewundern.

Beim Rundgang durch den Garten treffen wir auf unzählige Figuren, verschiedene Tempel und sogar eine Moschee. Die Weiher sind mit Wasserlinsen überdeckt. An den Gewässer tummeln sich Reiher, Enten und Gänse.

Um 13:00 Uhr kehren wir zum Schloss-Platz zurück, wo wir auch unsere Räder deponiert haben. Hier gibt es dann ein herzliches Wiedersehen mit Wolfgang. Er reist extra aus Kirrweiler an, um uns vor dem Aufenthalt in Australien nochmals zu treffen! Wir haben wieder viel zu berichten und die Zeit vergeht schnell beim Kaffee trinken und Kuchen essen. Dann heisst es «Tschüss» sagen, doch wir werden in Kontakt bleiben!

Auf derselben Route kehren wir zurück und finden den Campingplatz ziemlich verlassen vor. Gegenüber gestern sind viele Gäste abgereist und es ist verdächtig ruhig ... mal schauen, ob das in der Nacht auch so ist ...

 

Tief und gut haben wir geschlafen, denn die Nacht war angenehm ruhig. Bereits um viertel nach Acht sind wir startklar und verlassen die «Blaue Adria» in südlicher Richtung.

Die Fahrt auf deutschen Autobahnen ist irgendwie wie Lotterie. Baustellen, Fahrbahnverengungen, Unfälle oder Gegenstände auf den Strassen führen unweigerlich zu Staus und langen Wartezeiten. Doch einmal mehr haben wir Glück, einzig bei der Auffahrt auf die «A6» und später bei der Verengung von 3 auf 2 Spuren brauchen wir etwas Geduld.

Der «Chef» des «Zollernalbcamping» in Hechingen begrüsst uns freundlich, füllt den Anmeldezettel aus und zeigt uns den Platz. Dann weist er sich noch als richtiger Schwabe aus, indem er zu verstehen gibt, dass er nur Barzahlung akzeptiert.

Das hört sich jetzt makaber an, aber unser «akrumobile» gleicht einem «Leichenwagen». Insbesondere die Front ist übersät mit den Resten von Insekten. In Handarbeit weichen wir den eingetrockneten Schmutz auf und reinigen das Fahrzeug. Dann machen wir den Innenraum sauber, so dass wieder alles pikobello ist.

Dann haben wir uns ein «omnia-Znacht» (Gemüse-Teigwaren-Wurst-Auflauf) verdient.

 

Königlich haben wir auch letzte Nacht geruht; kein Wunder, denn wir nächtigen ja am Fusse der «Burg Hohenzollern». Das uns am Dienstag Kaiserwetter beschert ist, macht den Radausflug auf die Gipfelburg zu einem tollen Erlebnis.

Während die Autos unten parken müssen, radeln wir einfach weiter hinauf auf den 855 Meter hohen Bergkegel. Nach dem wir die imposante, kurvige Auffahrtsanlage mit mehreren Toren gemeistert haben, fragen wir nach einem PP für die Räder. Ein äusserst freundlicher Gärtner zeigt uns einen idealen Platz und gibt uns gleich noch weitere nützliche Informationen.

Der Zollerberg ist der «Schwäbischen Alb» vorgelagert und bietet einen fantastischen 360-Grad-Blick. Die Grundsteinlegung der heutiger Burg war 1850 und der neugotische Bau erfolgte nach den Plänen des Berliner Architekten Friedrich August Stüler.

Die Burg ist bis heute der Stammsitz des Fürstengeschlechts und somit in Privatbesitz. Die Anlage besteht im Wesentlichen aus Befestigungsanlagen (Kasematten genannt), den Schlossgebäuden sowie der katholischen Michaels-Kapelle und der evangelischen Christuskapelle. Wir umrunden den Komplex auf einer Art Terrasse bzw. Festungsmauer.

Dann tauchen immer mehr Leute auf. Für uns also Zeit, die rassige Abfahrt unter die Räder zu nehmen. Dann geht’s querfeldein Richtung Boll um dann den nächsten Anstieg in Angriff zu nehmen.

Dort wo früher die «Burg Zell» stand, befindet sich heute die idyllisch gelegene Wallfahrtskirche «Maria Zell».

Auf Forstwegen pedalen wir weiter und gewinnen zunehmend an Höhe. Etwas unterhalb des «Zeller Horn» (900 m.ü.M.) lassen wir die Bikes stehen und wandern die restliche Strecke zu Fuss zum Gipfel.

Wow! Was für eine Aussicht auf die majestätische Burg, die umliegenden Dörfer und Landschaften dürfen wir hier geniessen! Wir knipsen Fotos, stärken uns mit einem Äpfel und Getränken und lassen einfach die Weite auf uns wirken.

Dann geht’s wieder bergab. Auf der grossen Wiese an der Bergflanke entdecken wir die ersten Herbstzeitlosen. Ein untrügliches Zeichen, dass die sonnigen Tage des Spätsommers kürzer und seltener werden.

Für den Heimweg wählen wir die Route durch das Städtchen Hechingen und kommen dabei noch an einer Bäckerei vorbei. Ein kurzer Stopp und schon sind Süssigkeiten im Rucksack.

Zur grossen Freude der Wespen schmausen wir den Apfel- und Zwetschgenstreusel mit einer Tasse Kaffee vor dem Womo.

 

Nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch Süddeutschland erreichen wir südlich von Strassburg die «Pierre-Pflimlin-Brücke». Hier überqueren wir den Rhein und reisen so nach Frankreich ein.

Unser Ziel liegt in der Region Elsass, genau im «Département Bas-Rhin», «Arrondissement Sélestat-Erstein», «Canton de Villé», «Commune Bassemberg» (die Franzosen mögen es genau und etwas kompliziert ...).

Ab 14:00 Uhr können wir uns auf dem «Campéole Le Giessen****» einrichten und den sonnigen und warmen Nachmittag geniessen.

 

Trotz deutlich kühleren Temperaturen und leichter Bewölkung steigen wir auf die Bikes und starten zu einer Tour in den Vogesen. Von 277 m.ü.M. geht’s zuerst durch Dörfer und entlang von Feldern, später dann durch einen Wald auf 856 m.ü.M.

Über eine Forststrasse und Waldwege erreichen wir nach gut 10 km den Gipfel des Altenberg (Bas-Rhin). Die Strasse ist für den motorisierten Verkehr gesperrt und so treffen wir auf der ganzen Strecke lediglich auf zwei, drei Wanderer.

Bei der Steinformation «Rocher du Coucou» steht ein Sendeturm und hier öffnet sich eine herrliche, wenn auch nicht ganz klare Aussicht. In der Ferne erkennen das «Château du Haut Kœnigsbourg» und die Ruine des «Château du Frankenbourg».

Für die Abfahrt müssen wir die wärmen Kleider aus dem Rucksack holen. Einzig die Bremsen werden warm, während wir mit klammen Fingern im Städtchen «Villé» ankommen. In der «Patisserie Pfister» gönnen wir uns eine Tasse heissen Kaffee und ein feines Stück Käse- bzw. Aprikosenkuchen.

In Villé fallen die vielen bunten Häuser auf. Sowohl die historischen Bauten entlang der Hauptstrasse als auch die neu erstellten Liegenschaften am Dorfrand strahlen in verschiedensten Farben und geben dem Ort ein freundliches Antlitz.

Am Nachmittag bleibt dann wieder genügend Zeit zum Relaxen, Lesen und Blogschreiben.

 

Wir bleiben in den Vogesen und lassen uns für die nächsten zwei Nächte in der Nähe von Leval nieder. Zum Glück sehen wir auf der «A35» rechtzeitig einen Hinweis, dass die Abzweigung Richtung Belfort geschlossen ist. Deshalb wechseln wir auf die «D83» und erreichen so den «Camping du Lac de la Seigneurie» problemlos.

Der Empfang durch die Besitzer ist nicht gerade freundlich und auch das Servicehause überzeugt nicht vollends. Doch die Anlage ist schön und ruhig.

Während wir gestern ein kleine Ratte auf dem Camping gesichtet haben, bekommen wir heute Besuch einer zierlichen Haselmaus. Das putzige Tier ist wenig scheu, inspiziert unseren Teppich vor dem Womo und kurvt unter den Liegestühlen hindurch bevor es im Gebüsch verschwindet.

Beim Geschirrwaschen kommen wir mit einer deutschen Camperin ins Gespräch, als sie uns auf den Omnia anspricht. Sie erzählt, dass sie sich diesen «Backofen» auch zugelegt, aber noch nie ausprobiert hat. Kurzentschlossen schenken wir ihr unser Omnia-Kochbuch. Denn auch wenn wir das Utensil eventuell nach Australien mitnehmen, für das Buch werden wir kaum Platz haben.

 

Am Samstagmorgen zeigt sich die Sonne durch dünne Wolken und die Temperaturen sind deutlich tiefer als in den letzten Tagen. Deshalb tragen wir zum Start unserer Radtour noch wärmende Kleider.

Zuerst geht’s durch herrliche Wälder und kleine Dörfer. Der Weg hinauf zur Ruine des «Chateau de Rougemont» hat es dann aber in sich. Wir meistern die steilen und steinigen Passagen mit viel Fahrtechnik und etwas e-Unterstützung.

Beim Punkt «Le Plainot» ist dann fertig ... wir ketten die Räder an die Stange des Wegweisers und wandern die letzten 100 Höhenmeter zu Fuss. Auf einem Plateau stossen wir auf die Mauerresten der Burg, dessen Erstellung aufs Jahr 1324 datiert wird. In der Zwischenzeit hat sich die Sonne durchgesetzt und es herrschen Tshirt- und Shorts-Temperaturen.

Als nächstes besuchen wir die kleine «Chapelle Sainte-Catherine» und die Überreste einer Einsiedelei mitten im Wald.

Zum Schluss erklimmen noch einen Aussichtspunkt auf 807 m.ü.M. Bei näherem Hinschauen entdecken wir die dürftigen Überbleibsel der Ruine «Le Montori». Hier oben geniessen wir die Aussicht, die Wärme und einen gesunden Früchtesnack.

Dann heisst es nochmals volle Konzentration, denn die Abfahrt durch den Wald ist wiederum steil und voll mit Geröll. Das verzweigte Wegnetz haben wir für uns; während der ganzen Tour sind wir genau einem Wanderer begegnet.

Zurück auf dem Camping können wir nochmals den Grill in Betrieb nehmen und ein sommerliches Znacht schmausen.

 

Von den Vogesen reisen wir am Sonntag weiter in den Jura. Die «Gilets Jaunes» haben für das Wochenende wieder ihre Demonstrationen angesagt. Dabei blockieren sie auch mal einen Kreisel und behindern dadurch den Verkehr, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Doch sie scheinen nicht so früh «on the road» zu sein und so haben wir freie Fahrt.

Die Tour verläuft auf weiter Strecke entlang dem Fluss Doubs. Zwischen den sanften Hügeln der lieblichen Landschaft liegt Nebel und zeigt an, dass der Herbst naht.

Natürlich haben wir in den letzten Tagen die Wetterprognosen sehr genau studiert, insbesondere die Schneefallgrenze. Der «Camping Les Fuvettes» liegt nämlich auf 848 m. ü. M. und die Temperaturen erreichen gerade mal 10 Grad.

Wir bekommen einen schönen gelegenen, aber sehr nassen Platz direkt am «Lac de Saint-Point». Das Wetter erinnert mehr an April als an September; kurze, heftige Schauer wechseln sich ab mit Sonnenschein und windigen Phasen. Wir geniessen unser gemütliches, warmes WoMo-Zuhause und erledigen diverse Arbeiten wie zum Beispiel den Kühlschrank reinigenDekorationssachen abnehmen und hinfällige Vignetten abkratzen.

 

Die Nacht am «Lac de Saint-Point» war ruhig, bis am frühen Montagmorgen eine Ente zur Tagwacht schnattert. Als wir aus dem Fenster gucken, ist allerdings nichts vom See zusehen, denn alles liegt in dichtem Nebel.

Nach dem zweiten Kaffee und dem Lesen von einigen Kapiteln in unseren Büchern setzt sich die Sonne immer mehr durch und wir starten zu einem Spaziergang in den nahen Ort Malbuisson.

Der Weg führt entlang dem «Lac»; er ist der drittgrösste Natursee in Frankreich (ausgenommen der Genfersee). Das Gewässer ist spiegelglatt und die Heimat von einigen Wasservögel. Der See erinnert uns an den «Lac de Joux», der nur ca. 14 km Luftlinie entfernt ist.

Nach einer Runde durch das Dorf kehren wir auf den Camping zurück und freuen uns über das recht sonnige Wetter und die Seesicht. Eine Libelle und ein vorwitziges Alpaka geniessen ebenfalls die schöne Lage und die Spätsommerwärme.

 

Bei sonnigem, aber recht frischem Wetter verlassen wir den «Lac de Saint-Point» Richtung «Lac Léman». Nach fast einem halben Jahr kehren wir in die Schweiz zurück und dürfen uns für zwei Tage bei Hampi und Kwanta in Corseaux einquartieren.

So kommt es zu einem ersten herzlichen Wiedersehen. Die beiden verwöhnen uns mit köstlichem Essen und Wein. Bis spät in den Abend geniessen wir die Gastfreundschaft und haben viel zu Berichten.

Ab Donnerstag logieren wir dann einen Monat in einer Wohnung bei Cham. Von hier aus werden wir natürlich viele weitere Besuche bei Familie, Freunden und Bekannten machen. Zudem laufen die Vorbereitungen und Abklärungen für den Aufenthalt in Australien.

Wir freuen uns auf die Treffen und den Austausch und natürlich ist auch die Vorfreude auf das nächste Abenteuer in «Down under» riesig!!!

 

Am 20. September 2019 durften wir unseren Weinsberg «Pepper» dem neuen Besitzer übergeben. Genau 41'999 km durften wir unfallfrei mit dem jederzeit verlässlichen «akrumobile» durch ganz Europa reisen, danke.

 

End-Statistik von unserer Europareise

Anzahl Tage / Wochen «on the road» 536 T / 76 W
Anzahl besuchte Länder» 25
Anzahl besuchte Campingplätze 225
Gefahrene Kilometer mit dem Womo 35'569 km
Diesel-Verbrauch 3'109 Liter
Durchschnittlicher Diesel-Preis in EURO EUR 1.371
Durchschnittlicher Diesel-Verbrauch pro 100 km 8.6 Liter/100km
Durchschnittsgeschwindigkeit 62 km/h
Durchschnittlich gefahrene Kilometer pro Tag 66.6 km/h
Effektive Fahrzeit am Steuer 567:59 Std
Gefahrene Kilometer mit den e-Bikes 4'521 km

 

Unsere Route vom 1. - 12. September 2019

Altrip - Lindencham: 981 km

Mit dem Bike unterwegs: 101 km

 

 

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