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Da wir einige Teile der Algarven bereits kennen, reisen heute bis nach Tavira. Unterwegs füllen wir noch die Vorräte auf. Dann richten wir uns für fünf Nächte im «Camping Ria Formosa» in Cabanas de Tavira ein.

Der grosszügige Platz ist vor allem bei Dauermietern aus Nordeuropa beliebt. Unsere britischen Nachbarn sind gerade daran, ihren Wohnwagen für die nächsten fünf Monate einzurichten. Dabei legen sie sehr viel Wert auf eine wohnliche Atmosphäre und sogar die Hundedame «Megan» hat ihr eigenes Campingstühlchen. Bei uns geht’s wie immer einfach und praktisch, aber nicht minder gemütlich zu und her.

Sobald trockenes und warmes Wetter herrscht, schwingen wir uns auf die Räder in Richtung Tavira. Es gibt zwar einen ausgeschilderten Radweg, doch leider ist die Brücke über den Fluss defekt und gesperrt. So heisst es wieder umkehren. Wir treffen auf Touristen aus Kanada und machen sie darauf aufmerksam, dass die Brücke nicht begehbar ist. Sie fassen die Alternative in Betracht, über die nahe Eisenbahnbrücke zu gehen, doch das kommt für uns nicht in Frage.

So kommen wir über die Hauptstrasse in die Stadt. Im 16. Jahrhundert war Tavira der wichtigste Hafen in der Algarve. Hier wurden namhafte Mengen der Waren aus den portugiesischen Kolonien an Land gebracht. Zudem blühte der Handel mit Wein, Trockenfrüchten, Dörrfisch und Salz. Die Salzgewinnung wird heute noch betrieben und natürlich spielt auch die Weinproduktion immer noch eine sehr grosse Rolle.

Wegen der Versandung des Flusses und der Überfischung verlor Tavira die besondere Stellung an Faro. Heute lebt sie, wie die gesamte Region, vorwiegend vom Tourismus.

In der Altstadt sind viele Häuser renoviert oder werden gerade in Stand gestellt. Über die siebenbogige «Römerbrücke gelangen wir vom Stadtteil «Santa Maria» ins Quartier «Santiago».

Vorbei am Rathaus fahren wir Richtung Burghügel. Die Velos ketten wir unten bei der Kirche «Igreja de Santiago» an einen Strassenpfahl.

Hinter den Mauerresten verbirgt sich ein wunderbarer, botanischer Garten. Hier blüht der Weihnachtsstern als stattlicher Busch. Da bekommen wir fast ein bisschen Mitleid mit den in Plastiktöpfen gepferchten Pflanzen bei den Grossverteilern...

Von den ehemaligen Wachtürmen überblicken wir die Stadt, den Fluss und das ausgedehnte Naturschutzgebiet «Parque Natural da Ria Formosa».

Auf derselben Erhebung steht auch die Kirche «Igreja de Santa Maria do Castelo» und der markante Wasserturm.

Nach einem Besuch bei der Kirche «Igreja da Misericórdia» setzten wir uns am «Praça da República» in eines der vielen Strassencafés und lauschen bei einem einheimischen Getränk dem Livekonzert eines Musikers.

Cabanas de Tavira hat eine gepflegte Promenade mit kleinen Geschäften und Restaurants. Zu dieser Jahreszeit ist es hier sehr angenehm, denn es hat wohl Gäste, aber der Ort wird nicht überrannt.

Das geschichtsträchtige Festung «Fortaleza de Cacela» steht auf einem grossen Gelände mit unterschiedlichen Kakteen und kann nur aus der Ferne betrachtet werden.

Wir wandern entlang der sandigen Küste. Im Brackwasser zwischen dem Festland und der vorgelagerten Insel «Ilha de Cabanes» suchen Fischer nach Muscheln und ernten auch Austern. Einer will uns seinen vollen Kessel gleich verkaufen.

Bei der Flussmündung halten wir Ausschau nach Vögeln und sichten Enten sowie Reiher. Die ganz tolle Entdeckung machen wir jedoch im Park einer derzeit geschlossenen Hotelanlage: hier halten sich gleich drei Wiedehopf auf! Leider sind die scheuen Vögel weit weg und werden dann noch durch einen Radfahrer aufgeschreckt. Dennoch sind wir glücklich über die Sichtung.

Das Küstengebiet eignet sich bestens für ausgedehnte Wanderungen. Es geht vorbei an grossen Kulturen mit Zitrusfrüchten. Die Bäume sind so voll mit Früchten, dass die Äste sie kaum mehr tragen können. Auf manchen Feldern verfaulen die Orangen sogar an dem Bäumen. Das verstehen wir nicht ganz.

Wir sprechen gerade darüber, dass hier doch auch perfekte Bedingungen für den Wiedehopf herrschen und schon entdecken wir ein Exemplar im hohen Gras. Doch der scheue Vogel sucht schnell wieder das Weite.

Wenig später hoppeln zwei Kaninchen über den Feldweg und verschwinden im Dickicht.

Der Weg führt weiter entlang eines Golfplatzes. Hier stehen u. a. uralte Olivenbäume.

Bei der sogenannten Kleinstad Vila Nova de Cacela sind wir dann wieder direkt am Meer. In der kleinen Ortschaft sind erstaunlich viele Leute unterwegs.

Nach dem Gottesdienst treffen sich die Einheimischen zu einem Kaffee oder Apéro im Restaurant. Dennoch bleibt auch für uns ein Plätzchen in der kleinen Gartenwirtschaft.

Auf dem Rückweg ziehen dann immer Wolken auf, doch das Wetter bleibt trocken bis wir zu Hause sind.

Am Nachmittag orientieren wir uns über die Abstimmungsergebnisse in der Schweiz und lassen den Sonntag gemütlich ausklingen.

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Am Montag der letzten Woche im November verlassen wir Portugal. Über die «Puente Internacional del Guadiana» reisen wir in Spanien ein und «verlieren» damit wieder eine Stunde.

Auf der gebührenfreien Autobahn erreichen wir schnell und ohne Stau den Grossraum von Sevilla. Der «Camping Villsom» liegt in Dos Hermanas im Süden der Stadt.

Wenn wir drei Nächte bleiben, gewährt uns die Vermieterin 20% Rabatt. Diesen Deal gehen wir ein und suchen uns eine Parzelle auf dem dicht bewachsenen Platz.

Dann geht’s zu Fuss in eines der riesigen Einkaufscenter in der Nähe. Die Auswahl ist wieder gigantisch gross, doch wir halten uns zurück. Schliesslich müssen wir die Einkäufe ja wieder nach Hause tragen. Ab morgen wollen wir dann die viertgrösste Stadt von Spanien erkunden.

Mit dem öffentlichen Bus fahren wir bequem und kostengünstig ins Zentrum von Sevilla. Als erstes besuchen wir die «Plaza de España». Anlässlich der Iberoamerikanischen Ausstellung im Jahr 1929 wurden in einem herrlichen Park verschiedene Bauten errichtet. Der Platz ist von einem Kanal umgeben, über den insgesamt vier Brücken führen.

Das halbkreisförmige Gebäude ist an allen Ecken und Enden reich verziert. Klinker, Marmor und vor allem Kacheln schmücken Geländer, Wände und Böden. Unter den Arkaden spielen, tanzen und singen Künstler und unterstreichen die anmutende Atmosphäre.

Vorbei an der Universität und dem Schloss gelangen wir zur berühmten und grössten gotischen Kathedrale der Welt. Bei unseren Vorbereitungen haben wir immer von grossen Warteschlagen beim Eingang gelesen. Heute ist das zu unserer grossen Freude nicht so.

Das 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Gebäude ist kaum zu beschreiben. Die Fotos geben einen kleinen Einblick in das riesige Gotteshaus, dass ursprünglich (1184 bis 1198) als Moschee errichtet wurde. 1248 wurde die Kathedrale eingeweiht und stetig erweitert. Es gibt unzählige Kapellen, Statuen, Reliquien, Orgeln und den Sarkophag von Christoph Kolumbus zu bestaunen.

Dann steigen wir auf die «Giralda». Sie ist das ehemalige Minarett und wurde mit der Zeit zu einem Turm um- und ausgebaut. Speziell ist, dass der Aufstieg nicht über Treppen, sondern über eine Rampe erfolgt. So konnte man früher mit den Pferden in die oberen Stockwerke gelangen.

Oben öffnet sich dann wieder ein herrlicher Blick auf die aussergewöhnliche Stadt.

Zum Schluss wandeln wir dann noch durch den Orangenhof mit seinen früchtetragenden Bäumen.

So viel Geschichte und Kultur machen hungrig. Die Auswahl an Restaurant ist gross. Unsere Wahl fällt auf «La Traditional» und wir geniessen einheimische Tapas-Spezialitäten. Sehr fein.

Wir schlendern durch die engen, autofreien Gassen vom «Barrio de Santa Cruz» mit schmucken Läden bis zum «Jardines de Murillo».

In dieser grünen Lunge stehen riesige Bäume, die in den heissen Sommertagen willkommenen Schatten spenden. Jetzt geniessen hier Einheimische und Touristen die wärmenden Sonnenstrahlen.

An der «Avendia de Portugal» fährt dann unser Bus wieder pünktlich ab und bringt uns fast vor die Haustüre.

Weils so praktisch ist, lassen wir uns auch am zweiten Tag per Autobus ins Zentrum chauffieren.

Wir kommen beim Chilenischen Konsulat vorbei, wo gerade eine kleine Demonstration stattfindet. Was die Kundgeber genau fordern, wissen wir nicht, doch die Polizei hält ein waches Auge auf das Grüppchen.

Am Ufer des Flusses Guadalquivir ist es zum Glück friedlich und wir geniessen den Blick auf den historischen «Torre del Oro» und den modernen «Torre Triana» (Verwaltungsgebäude).

Dann sind wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort und können gleich an einer Führung in der «Real Maestranza de Caballeria de Sevilla» teilnehmen. Die Stierkampfanlage ist bestens unterhalten und gibt einen interessanten Einblick in die Geschichte dieser spanischen Tradition.

Zusammen mit einer Führerin und einem Audioguide betreten wir zuerst die Ausstellung und dann die Quartiere sowie die Kapelle, wo sich die Stierkämpfer auf ihren grossen Auftritt vorbereiten. Zum Schluss öffnet sich für uns das Haupttor zur ovalen Arena.

Obwohl wir dem eigentlichen Stierkampf nichts abgewinnen können, war es eindrücklich diesen geschichtsträchtigen Ort zu besuchen.

Ein kleiner Hunger macht sich bemerkbar und so setzen wir uns in die Sonne vor einem der vielen Tapas-Lokale.

Wir schlendern kreuz und quer durch die Innenstadt bis zur Plaza Mayor. Hier wurde zwischen 2005 und 2011 die weltgrösste Holzkonstruktion «Metropol Parasol» errichtet. Das Werk wird von den Einheimischen auch «Las Setas» (die Pilze) genannt. Es dient u.a. als Schattenspender.

Dann geht’s per öV wieder nach Hause. Gerne blicken wir auf sehr spannende Tage in dieser pulsierenden und erstaunlich sauberen Stadt zurück!

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Mit vielen Eindrücken verlassen wir Sevilla und ziehen weiter. Unterwegs kaufen wir noch ein und füllen den AdBlue-Tank auf, nachdem die Anzeige entsprechend aufgeleuchtet hat.

Die Fahrt verläuft weitgehend flüssig bis auf einen kurzen Stopp bei einer Baustelle. Hier wird der Belag erneuert, was auch dringend nötig ist.

Auf dem «Camping Rosaleda» in Conil de la Frontera werden wir freundlich empfangen. Die Angestellte unterbreitet uns ein Angebot für EUR 295.00 einen Monat zu bleiben. Nun wir wollen mal eine Nacht hier verbringen. Der Preis ist aber wirklich verlockend!

Da wir uns wieder in der Nähe der Küste befinden, sind wir bald unterwegs Richtung Strand. Die Stadt Conil de la Frontera wirkt im Winter verschlafen und entsprechend ruhig.

Besonders eindrücklich sind die steilen Felsklippen. Auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt treffen wir auf zwei «Pepper-Wohnmobile». Die Eigentümer sind allerdings nicht vor Ort.

Nach 13 km kommen wir auf den Platz zurück und bereiten uns ein feines Z’nacht zu: Fleisch und Gemüse vom Grill und eine Rösti. Lecker-Schmecker!

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Die nächste Etappe führt uns bis kurz vor Tarifa. Auf dem Camping Valdevaqueros können wir einchecken ohne die genaue Aufenthaltsdauer anzugeben. Das passt uns momentan bestens.

Die Parzellen sind alle durchnässt von den intensiven Niederschlägen der vergangenen Tage und die Wahl ist nicht einfach. Schliesslich entscheiden wir uns für einen Platz, auch wenn er nicht ganz optimal ist.

Die Waschmaschine wäscht leider nur mit kaltem Wasser. Das kommt uns etwas «spanisch « vor, deshalb verzichten wir aus Waschen. So geniessen wir den Nachmittag mit Relaxen, Lesen und einem kurzen Ausflug an den Strand.

 

Unsere Route vom 21. - 30. November 2018

Distanz Luz (Lagos) - Tarifa: 508 km (total 21'092 km)

Mit dem Bike unterwegs: 34 km (total 2'368 km)

 

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